Politik : Stoiber soll in die Stiftung gehen

Aber er will nicht – das CSU-Drama geht weiter

Rainer Woratschka

Berlin - Alle hatten es prophezeit: Die Monate bis zum erlösenden CSU-Parteitag Ende September würden quälend lang werden. Zwei sich belauernde Konkurrenten um den Parteivorsitz, dazu ein vor Energien strotzender Ministerpräsident, den sie zum Aufhören überreden mussten und nun behutsam aus der Politik hinauszukomplimentieren haben. Ohne Groll soll der Machtwechsel abgehen, ohne Selbstzerfleischung, und so gilt die Mikado-Regel: Wer sich zuerst bewegt, hat verloren. Aber wie soll man sich profilieren bei solch einem Stillhalteabkommen?

Nun ist es Erwin Huber, der wackelt. Der CSU-Chef in spe empfiehlt Edmund Stoiber für eine Führungsposition in der CSU-nahen Hanns-Seidel- Stiftung: „Ich kann mir vorstellen, dass das eine Tätigkeit ist, die seinen Neigungen schon entgegenkommt.“ Für Huber wäre damit ein Problem gelöst, das sich aus einer aktiveren politischen Rolle Stoibers ergäbe: das des ewig dreinredenden, besserwisserischen Ex-Vorsitzenden. Und da stört dann auch nicht, dass der Stiftungsvorsitzende Hans Zehetmair bis 2010 gewählt ist und bisher nichts von einem Rücktrittswunsch verlauten ließ.

Stoiber hat Hubers Abschiebeversuch prompt als solchen verstanden – und seinen Ärger darüber ungewöhnlich scharf artikuliert. Hubers Interviewäußerungen seien „nicht unbedingt die Champions League, in die die CSU gehört und wo sie auch weiterspielen muss“, schimpfte er . Mit solchen Gedankenspielen entstehe der „Eindruck von Kungeln und Postenverteilen“, und der sei „nicht besonders vorteilhaft, weder für unsere Partei noch für Bewerber, die nach Höherem streben“.

Noch ist Huber nicht zum Parteichef gewählt, klingt da durch – und Hubers Konkurrenten Horst Seehofer, den sie dieser Tage immer massiver zur „Bereinigung seines Privatlebens“ drängen, muss das runtergehen wie Öl. In der CSU will man ohnehin wissen, dass Stoiber seinem Wirtschaftsminister die erste und weit größere Kungelei mit Innenminister Günther Beckstein nicht verzeihen kann: die Aufteilung der Posten als Parteichef und Ministerpräsident, mit der sie Stoibers Abgang quasi erzwungen hatten.

So verhält sich Seehofer weiter still und kommentiert auch Hubers Andeutungen über Stoibers Paladin Markus Söder nicht. Eine Diskussion über einen neuen Generalsekretär, so hatte Huber angedeutet, bedeute „keine Abwertung für die Arbeit von Markus Söder“. Es werde aber im Herbst wahrscheinlich mehrere Veränderungen geben. So könne dem Franken auch eine Frau nachfolgen. „Ich habe den Kopf voller Ideen“, sagt Huber. Manches lässt sich offenbar nicht bis September drinhalten.

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