Politik : Stoibers Grübeln

Andrea Dernbach

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Gegrummelt haben viele vor diesem Leipziger Parteitag – die christdemokratischen Arbeitnehmer über Herzog, die Freunde des Patriotismus über den Rausschmiss von Hohmann. Für eine kleine Schar Aktiver war Leipzig allerdings schon vor Beginn ein Erfolg: Die „Lesben und Schwulen in der Union“ durften sich zum ersten Mal mit eigenem Stand präsentieren. „Ich werde immer gefragt, ob das nicht ein Widerspruch sei, gleichzeitig schwul und in der CDU zu sein“, sagt Rolf Ohler, Bundesvorsitzender der LSU. „Ich würde eher sagen: eine sinnvolle Ergänzung.“ Das sieht offensichtlich nicht nur die Parteiführung so. Am Stand der LSU ließ sich Hessens Wissenschaftsminister Udo Corts fotografieren, Hamburgs Erster Bürgermeister Ole von Beust umarmte die Aktivisten herzlich. Unter der Vorsitzenden Merkel und Generalsekretär Meyer habe sich einiges verändert in der CDU, sagt Ohler. Mit beiden sei die LSU schon lange im Gespräch, aber auch mit dem bayerischen Innenminister Günther Beckstein habe man „konstruktive Gespräche“ geführt. Eine bayerische Aktivistin aus der Frauenunion, die einst als solide verheiratete Mutter in die CSU eintrat und inzwischen gemeinsam mit ihrer Lebensgefährtin fünf Kinder erzieht, bestätigt: „Auch in der CSU gibt es nicht nur den Stoiber.“ Und selbst der gerate langsam ins Grübeln, ob es nicht andere Familienmodelle gebe als Vater-Mutter-Kind. Nein, sagt Ohler, einmal abgesehen davon, dass er zunächst Konservativer und Fachpolitiker sei: Als Schwuler würde er sich in der SPD nicht aufgehoben fühlen. Die Anträge der Schwusos, der sozialdemokratischen Schwulen, seien auf dem Bochumer Parteitag doch alle durchgefallen. „Ich bin glücklich, in der CDU zu sein.“

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