Politik : Straftatbestand der Untreue: Kanther muss mit Anklage rechnen

Bundeskanzler Gerhard Schröder will Palästinenserpräsident Jassir Arafat bei seinem für diesen Mittwoch geplanten Treffen in Gaza zur Wiederaufnahme des Friedensprozesses drängen. "Die Gewalt muss aufhören. Das betrifft alle, die es angeht", sagte der Kanzler am Dienstag in Jerusalem. Unterdessen verstärkten sich die Zweifel, dass der zwölfjährige Palästinenserjunge, der im September im Gaza-Streifen im Kugelhagel umgekommen war, tatsächlich von israelischen Soldaten erschossen worden war. Der Tod des Jungen, der in den Armen seines Vaters starb, hatte weltweit für Aufsehen gesorgt.

Israel ist Schröders vorletzte Station auf seiner fünftägigen Nahostreise, die ihn bereits nach Ägypten, Libanon, Jordanien und Syrien geführt hat. Am Dienstag traf der Kanzler Regierungschef Ehud Barak, Israels Staatspräsident Mosche Katsav und Parlamentspräsident Avraham Burg. Schröder wird seine Nahostreise am heutigen Mittwoch mit einem Gespräch mit Palästinenserpräsident Arafat abschließen. Der Besuch wird aufgrund einer überraschenden Änderung des Reiseplanes nicht im an Jerusalem angrenzenden Bethlehem, sondern im entfernten Gaza stattfinden. Er werde Arafat zu verstehen geben, dass "die Gemeinschaft der Nationen und jeder in dieser Region bedingungslos Frieden will", sagte Schröder. Schröder legte am Grab des vor fünf Jahren ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Rabin einen Kranz nieder, bevor er der Holocaust-Gedenkstätte Jad Vaschem einen Besuch abstattete.

Israelische Soldaten erschossen am Dienstag drei weitere Palästinenser. Zwei junge Männer seien bei Auseinandesetzungen mit der Armee in der Nähe des Grenzübergangs Karni zwischen Israel und dem Gaza-Streifen niedergeschossen worden, teilten Ärzte mit. Ein palästinensischer Polizist wurde von Ärzten für klinisch tot erklärt, nachdem er in der Nähe von Bethlehem im Westjordanland angeschossen worden war.

Unterdessen wurden in Israel Zweifel laut, ob der 12-jährige Mohammed al-Duri, der im September im Gaza-Streifen erschossen worden war, tatsächlich durch die Kugeln israelischer Soldaten starb. In einer Untersuchung der israelischen Armee wird darauf hingewiesen, dass der Junge von Kugelsalven getötet wurde. Dagegen war auf Fernsehbildern zu sehen, dass die israelischen Soldaten bei der Auseinandersetzung mit Palästinensern Einzelfeuer abgaben. Ein Physiker und ein Ingenieur hatten das Schussfeld der Straßenkreuzung untersucht, an der der Junge gestorben war.

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