Politik : Strandbad Reichstag

Antje Sirleschtov

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Vergesst das Haushaltsloch! Ein Ende hat all der zermürbende Streit um Reformen, Subventionen und Wirtschaftsflauten. Jetzt steht uns ein Sommer der Entspannung und des Wohlseins bevor. Und morgen geht’s schon los. Dann werden sich Minister, Staatssekretäre und Journalisten nicht mehr bei strahlendem Sonnenschein misstrauisch hinter Mikrofonen verstecken. Nein, wir packen die Badehosen ein und treffen uns zur Bundespressekonferenz am Bundespressestrand. Denn: Ein Hauch von Copacabana weht dann am Reichstag, direkt vor der Tür. Zwischen Bundespressekonferenz und Bundestagsgebäuden wird nämlich an der Spree ein richtiger Strand aufgeschüttet. Strandkörbe, Liegestühle und Cocktails sollen bei Politikern und Journalisten für Ferienstimmung sorgen. „Sakko aus, Krawatte runter – Badelatschen und Hawaiihemd an!“ Mit diesen Worten lädt uns die Agentur „walks+talks“ ein. Na, wenn das kein Stoff zum Füllen all der Sommerlöcher ist.

Und wem das ganze zu flippig ist und die Drinks zu süß, der kann ja rüber zum Kanzleramt wandern, ach was, der kann sich mit dem Regierungssprecher ein Gummiboot mieten und rüberpaddeln. Denn da gibt’s das „Haus Menardie“, das schon seit ein paar Tagen „kühle Blonde“ an seriöse Biergarten-Gäste verkauft. Bis spät in die Nacht werden hier die Geschichten erzählt, die man morgens in der Zeitung lesen kann. Von Steuerlöchern, die reiche Onkel mit Erbschaften stopfen, vom Babyboom zur Rettung des sinkenden Altersschiffs und nicht zuletzt von Wählern, die als Touristen verkleidet am Liegestuhl-Kabinett vorbeischippern und der Regierung mit bunten Fähnchen winken.

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