Politik : Straßburg statt Madrid

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Beinahe wäre Josep Borrell (57), ein promovierter Wirtschaftswissenschaftler aus armem Elternhause in den Pyrenäen, schon einmal ganz oben angekommen: Der Sohn eines Bäckers wollte spanischer Regierungschef werden. Seine Sozialdemokraten hatten den charismatischen Reformer 1998 überraschend zum Parteichef und Spitzenkandidaten gekürt. Doch genauso überraschend schmiss der Hoffnungsträger ein Jahr später die Brocken hin, weil zwei frühere Mitarbeiter und Vertraute aus seiner Amtszeit als Finanzstaatssekretäre der Korruption überführt worden waren.

Borrell, dem selbst nichts angelastet wurde, übernahm die Verantwortung und trat zurück. Vor zwei Jahren tauchte er aus der Versenkung auf und kniete sich in die Europapolitik. 2002 schickte ihn sein Land als Repräsentant in die EUVersammlung (Konvent) für die Europäische Verfassung. Bei der jüngsten Europawahl trat er als Spitzenmann der spanischen Sozialdemokraten an, gewann und holte für seine Partei das beste Ergebnis der Geschichte.

Als Parlamentspräsident will er in der außenpolitisch zerstrittenen EU-Kammer für Konsens und Versöhnung zu werben. ze

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