Straßenschlachten in Pakistan : Mindestens 15 Tote bei Unruhen wegen Anti-Islam-Film

21.09.2012 14:28 Uhr
  • Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in vielen Ländern friedlich verlaufen. In Pakistan aber kamen mindestens zwei Menschen bei Ausschreitungen ums Leben. Foto: AFP
    Junge Männer liefern sich Straßenschlachten mit der pakistanischen Polizei. Die erwarteten Proteste nach dem Freitagsgebet sind in vielen Ländern friedlich verlaufen. In Pakistan... - Foto: AFP
  • Die USA bemühen sich um eine Deeskalation. Die Regierung will im pakistanischen Fernsehen ein Werbevideo senden, in dem sie sich klar von dem Schmähvideo distanziert. In Bangladesch ist die antiamerikanische Stimmung weiterhin aufgeheizt. Foto: rtr
    Die USA bemühen sich um eine Deeskalation. Die Regierung will im pakistanischen Fernsehen ein Werbevideo senden, in dem sie sich klar von dem Schmähvideo distanziert. In... - Foto: rtr
  • In Dhaka verbrennen aufgebrachte Muslime die amerikanische Flagge und tragen "Obamas Sarg" durch die Stadt. Foto: rtr
    In Dhaka verbrennen aufgebrachte Muslime die amerikanische Flagge und tragen "Obamas Sarg" durch die Stadt. - Foto: rtr

Ein Internet-Film versetzt die Welt weiterhin in Aufruhr: In Pakistan sind am Freitag Menschen bei gewalttätigen Protesten ums Leben gekommen. Die USA versuchen es mit einer Geste der Versöhnung. Lesen Sie die aktuellen Ereignisse im Ticker.

17:14: Weitere Tote in Pakistan: Mindestens 15 Menschen kamen bei den Protesten in Pakistan ums Leben. Mehr als 160 Menschen wurden bei Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizisten verletzt. Allein zwölf Todesopfer gab es nach Krankenhausangaben in der südlichen Hafenstadt Karachi. Drei weitere Menschen wurden in der nordwestlichen Stadt Peshawar getötet, wie der Polizeibeamte Bashir Khan mitteilte.

14:20: Absperrung durchbrochen: In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen nach Medienberichten Hunderte aufgebrachte Muslime mehrere Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften.

Zahlreiche Polizisten und Demonstranten seien verletzt worden. Innenminister Rehman Mailk erklärte, die Armee stünde zum Eingreifen bereit.
Auch in der ostpakistanischen Stadt Lahore lieferten sich Hunderte Demonstranten Straßenschlachten mit Sicherheitskräften. Politische und religiöse Gruppen haben in ganz Pakistan zu Protesten gegen den islamfeindlichen Mohammed-Film nach den Freitagsgebeten aufgerufen.

12:45 Uhr: Polizei riegelt Islamabad aus Angst vor Unruhen ab: Aus Angst vor befürchteten Unruhen wegen des islamfeindlichen Schmähvideos will die Polizei die pakistanische Hauptstadt Islamabad abriegeln. Die Verkehrspolizei werde die Einfallstraßen in die Stadt nach den Freitagsgebeten sperren, berichtete der staatliche Sender Radio Pakistan auf seiner Homepage.

12:15 Uhr: Tunesiens Innenministerium verbietet Demonstrationen am Freitag: Das Innenministerium in Tunesien hat für Freitag sämtliche Demonstrationen verboten, die sich gegen den islamfeindlichen Film „Die Unschuld der Muslime“, aber auch gegen die jüngst in Frankreich veröffentlichten Mohammed-Karikaturen richten könnten. Bei Zuwiderhandlungen werde die Polizei konsequent eingreifen, warnte das Innenministerium schon am Donnerstag. Notfalls könnten die Sicherheitskräfte auch von Waffengewalt Gebrauch gemacht.

Dem Ministerium lägen Informationen vor, wonach bei den Demonstrationen Gewalt und Plünderungen drohen könnten, hieß es am Donnerstagabend zur Begründung.

Video: Wütende Proteste gegen Mohammed-Film in Pakistan

12:00 Uhr: Während in zahlreichen muslimischen Ländern teilweise gewaltsam gegen das Mohammed-Video demonstriert wird, ist die USA um Deeskalation bemüht. In Pakistan laufe auf sieben Fernsehsendern ein Spot, in dem sich Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton von dem Video distanzierten, sagte eine Sprecherin des US-Außenministeriums am Donnerstag (Ortszeit) in Washington.
In dem kurzen und mit Urdu-Untertiteln versehenen Beitrag sagt Obama, die Vereinigten Staaten seien ein Land, das seit seiner Gründung alle Glaubensrichtungen akzeptiere. Clinton betont, dass die USA mit dem islamfeindlichen Video nichts zu tun haben. Nach Angaben der Sprecherin können die sieben Sender, auf denen der Spot ausgestrahlt wird, theoretisch 90 Millionen Pakistaner erreichen. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dapd hat der Film 70.000 Dollar (54.000 Euro) gekostet.

Video: Satireblatt druckt Mohammed-Karikatur

Am Donnerstag hatte das Weiße Haus den tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat in der libyschen Stadt Bengasi in der Vorwoche erstmals als Terrorismus bezeichnet. Es sei offensichtlich, dass die Tötung des amerikanischen Botschafters Chris Stevens bei antiamerikanischen Protesten auf das Konto von Terroristen gehe, sagte Regierungssprecher Jay Carney.

Lesen Sie hier, worum ist in dem umstrittenen Video geht.

Bildergalerie: Auch in Deutschland wird um den Mohammed-Film debattiert

11:45 Uhr Mitarbeiter von pakistanischem Fernsehsender bei Protesten getötet: Bei Protesten gegen einen anti-islamischen Film in der pakistanischen Stadt Peshawar ist der Fahrer eines Fernsehjournalisten nach dessen Angaben durch Polizeikugeln getötet worden. Die Beamten hätten auf die Demonstranten geschossen, weil diese ein Kino in Brand gesteckt hätten, berichtete der Reporter Kashif Mahmood am Freitag. Er habe mit seinem Fahrer im Wagen gesessen, um von den Protesten zu berichten, als die Polizei das Feuer eröffnet habe, sagte Mahmood. Drei Kugeln hätten das Fahrzeug getroffen, von denen eine den Fahrer Mohammad Amir lebensgefährlich verletzt habe. Amir starb später im Krankenhaus.

Der Sender ARY zeigte Aufnahmen, wie Ärzte im Krankenhaus versuchten, Amir zu retten. Zu sehen waren auch Bilder der durch mehrere Schüsse zerstörten Windschutzscheibe. Die Polizei konnte nicht für eine Stellungnahme erreicht werden.

11:00 Uhr: Iran wirft Westen Doppelmoral vor: Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad hat dem Westen nach der Veröffentlichung des Mohammed-Schmähvideos Doppelmoral vorgeworfen. Der Westen erlaube diese Beleidigung, doch der Holocaust dagegen dürfe nicht hinterfragt werden, sagte Ahmadinedschad am Freitag in Teheran. „Der Westen behauptet, es sei Teil der Meinungsfreiheit, den Propheten Mohammed zu beleidigen. Aber warum unterdrücken sie dann wegen einer einfachen historischen Frage Geschichtsforscher und bedrohen eine ganze Nation deswegen?“, fragte er. Ahmadinedschad hat in der Vergangenheit mehrmals den Holocaust in Frage gestellt. Der Iran macht Israel für das Mohammed-Video verantwortlich. Israel versuche, religiöse Konflikte anzustacheln, um den eigenen Zerfall zu verhindern, so Ahmadinedschad.

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