Strategie-Wechsel : Frankreich ändert seine Irak-Politik

Nach dem überraschenden Besuch von Außenminister Kouchner im Irak wird die französische Nahost-Politik innenpolitisch diskutiert. Die Opposition wirft der Regierung vor, sie benehme sich gegenüber den USA wie ein "kleiner Schoßhund".

ParisFrankreichs Außenminister Bernard Kouchner hat seinen überraschenden Besuch im Irak und den zugrunde liegenden Schwenk in der französischen Irak-Politik verteidigt. Bislang habe Frankreich sich gar nicht erst genauer mit dem Zweistromland befassen wollen, "so kompliziert" sei die Lage dort, sagte Kouchner dem französischen Radiosender RTL. "Es ist schon von vornherein so vermurkst, dass man sich gar nicht mehr drum zu kümmern braucht", sei die gängige Haltung gewesen. Dies sei aber nicht mehr die Haltung des heutigen Frankreich und seiner Regierung, sagte Kouchner.

Frankreich habe sich mit seiner Ablehnung des Irak-Krieges deutlich von der Politik der Vereinigten Staaten abgesetzt, sagte der Außenminister. "Wir haben den US-Einsatz nicht unterstützt, und ich glaube, wir hatten recht." Es sei wichtig, dass der Irak sich die französische Haltung ins Gedächtnis rufe, denn sie weise Frankreich "eine ganz besondere Rolle" zu. Die USA könnten die Schwierigkeiten im Irak aber nicht alleine bewältigen. Je mehr die irakische Führung die Vereinten Nationen um Hilfe bitte, "desto mehr wird Frankreich helfen", sagte Kouchner. Der französische Außenminister hatte schon am Vortag gefordert, die Uno solle eine größere Rolle bei der Lösung des Irak-Konfliktes spielen.

Kouchner war am Sonntag als erster französischer Minister nach Bagdad gereist, seitdem sich Paris im Frühjahr 2003 gegen den US-geführten Irak-Krieg gestellt hatte. Die französische Opposition kritisierte den dreitägigen Besuch des Chefdiplomaten und warf der neuen Regierung unter Staatschef Nicolas Sarkozy vor, sich den USA zu unterwerfen. Frankreich benehme sich wie ein "kleiner Schoßhund", sagte der grüne Abgeordnete Noël Mamère dem Sender RTL. Mit Kouchners Besuch im Irak mache das Land sich "die Hände schmutzig". (mit AFP)

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