Politik : Streik lähmt Bahnverkehr in Frankreich

Rudolf Balmer

Paris - Ein Streik gegen die von Präsident Nicolas Sarkozy geplante Rentenreform hat am Donnerstag in Frankreich zu massiven Verkehrsbehinderungen geführt. Der interregionale Schienenverkehr war praktisch lahmgelegt, der Nahverkehr und selbst die internationalen TGV-Verbindungen stark behindert. In Paris waren die meisten Metro-Linien sowie zwei der vier RER-Schnellbahnstrecken geschlossen, die übrigen funktionierten mit einer Frequenz von zehn bis 25 Prozent. Weil viele aufs Privatauto auswichen, kam es auf den Zufahrtstraßen zu den Städten und in den Zentren zu kilometerlangen Staus.

Seit dem Streikherbst von 1995 hatte Frankreich es nicht mehr erlebt, dass der Bahnverkehr und die städtischen Transporte wegen eines Ausstands fast völlig lahmgelegt waren. Anlass ist wie schon vor zwölf Jahren eine Pensionsreform. Das Wort „Privilegien“ ist für die französischen Staatsangestellten der Bahn SNCF tabu. Zwar haben sie im Vergleich zu den privaten Lohnempfängern und den meisten Beamten vorteilhaftere Pensionierungssysteme. So geht ein Lokomotivführer mit 50 in den Ruhestand, ein Arbeiter auf den Gleisen mit 55. Und bei 37,5 Beitragsjahren haben sie Anrecht auf eine Vollrente.

Aber die Streikenden erklären: „Das ist normal und verdient, weil wir besonders unregelmäßige und aufreibende Arbeitszeiten haben.“ Sämtliche acht Gewerkschaftsverbände bei der SNCF hatten zum Ausstand aufgerufen. Die Regierung ist entschlossen, die speziellen Altersvorsorgekassen (die „régimes spéciaux“), welche die Staatskasse pro Jahr fünf Milliarden Euro kosten, abzuschaffen. Solche „Extrawürste“ hatten bisher nicht nur die Bahnbeamten, sondern auch ein Teil der Beschäftigten der staatlichen Elektrizitäts- und Gaskonzerne (EDF und GDF), die Bühnenarbeiter der Pariser Oper und die Angestellten der Banque de France. Nicht in Frage gestellt werden bei der Reform ähnliche oder noch vorteilhaftere Sonderregelungen für Seeleute, Bergarbeiter, Polizei und Militärs – und Parlamentsmitglieder. Rudolf Balmer

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