Politik : Streit beim Teuro-Gipfel

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Berlin (ce/usi/rvr). Für die Auswahl der Teilnehmer am Anti-Teuro-Gipfel ist Verbraucherministerin Renate Künast im Vorfeld des Treffens heftig kritisiert worden. Grund der Irritation war die Teilnahme eines Mitglieds der „Bild"-Chefredaktion an dem Treffen, der in exklusiver Runde eine Kampagne des Springer-Blattes gegen Preistreiberei vorstellen durfte. Üblicherweise sind Journalisten von der Teilnahme an Runden Tischen der Regierung ausgeschlossen. Zu einer konzertierten Aktion von Wirtschaftsverbänden und Springer-Presse, wie im Vorfeld des Treffens vermutet, kam es aber nicht.

Zum Auftakt der Runde sagte eine Vertreterin der Gewerkschaft Verdi, sie fühle sich durch die Anwesenheit von „Bild“ unter Druck gesetzt. Mehrere Gesprächsteilnehmer zeigten sich überrascht und wollten Künast wegen der Zusammenarbeit mit „Bild“ zur Rede zu stellen. Der Geschäftsführer der Unions-Fraktion, Eckart von Klaeden, sagte dem Tagesspiegel, Künasts Vorgehen bestätige die Kritik von Wirtschaftsminister Müller, der Gipfel sei eine PR-Aktion. Es sei „ein Skandal, dass Verbandsvertreter statt für seriöse Problemlösungen für billige PR-Aktionen missbraucht werden“. Jörg Quoos, Mitglied der Chefredaktion von „Bild“, sagte nach dem Treffen, er habe von einigen Verbandsvertretern „Lob für die Aktion“ ausgesprochen bekommen. Einige würden sogar überlegen, an der Kampagne teilzunehmen. Er sagte, es müsse sich keiner der anwesenden Handelsvertreter unter Druck gesetzt fühlen. Die Kampagne sei zunächst eine der „Bild"-Zeitung. Das Vorgehen des Künast-Ministeriums war nach Tagesspiegel-Informationen nicht mit dem Kanzleramt abgestimmt. Der Gipfel ging am Freitagabend ohne konkrete Maßnahmen gegen Preistreiberei zu Ende.

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