Streit in der CSU-Spitze : Huber angeblich über Beckstein verärgert

In der CSU zeichnet sich ein Zerwürfnis zwischen Parteichef Erwin Huber und dem bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein ab. Huber ist offenbar von der Ankündigung Becksteins überrascht worden, dass die Belastungen der Bayerischen Landesbank auf bis zu vier Milliarden Euro ansteigen könnten.

Marina Antonioni[ddp]
Huber
Erwin Huber fühlt sich von seinem Kollegen Günther Beckstein düpiert. -Foto: ddp

MünchenDer Parteichef befand sich gerade im Urlaub in der Schweiz und soll auf die unvorbereitete Nachricht mit Unmut reagiert haben. Huber dementierte jedoch, verärgert zu sein: "Von einem Zerwürfnis kann keine Rede sein." Unterdessen wird der Unmut an dem CSU-Führungsduo nach den Negativ-Schlagzeilen um Transrapid, Landesbank, Rauchverbot und Kommunalwahlen lauter.

"Das Tandem hält fest zusammen und ist entschlossen, die anstehenden Herausforderungen gemeinsam zu meistern", sagte Huber. Laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" fühlte Huber sich durch das Vorpreschen Becksteins jedoch düpiert, weil in der CSU-Führung abgesprochen gewesen sei, dass die neuen Zahlen am 3. April von der BayernLB selbst vorgestellt werden sollten. In einem Interview nannte der Finanzminister die Spekulationen über weitergehende Belastungen der Landesbank durch die internationale Finanzkrise denn auch "verfrüht".

Huber ist stellvertretender Vorsitzender des Verwaltungsrats der Landesbank. In der öffentlichen Debatte war deshalb vor allem ihm die politische Schuld an dem schlechten Risikomanagement der halbstaatlichen Bank gegeben worden. Huber fürchte, es könnte erneut der Eindruck aufkommen, er habe heikle Zahlen geheim gehalten, schrieb der "Spiegel".

Sailer: "Beckstein und Huber sind noch kein eingespieltes Team

Unterdessen machten mehrere Mitglieder der CSU-Landtagsfraktion ihrem Unmut über das Führungstandem Luft. Beckstein und Huber hätten sich das Aus für den Transrapid teilweise selbst zuzuschreiben, sagte der Augsburger CSU-Landtagsabgeordnete Martin Sailer. "Man hätte schon viel früher die Reißleine ziehen und sich Ärger ersparen können", kritisierte er und fügte hinzu: "Beckstein und Huber sind noch kein eingespieltes Team." Auch der Augsburger Abgeordnete Max Strehle warf dem Führungsduo vor, sich zu spät vom Transrapid-Projekt verabschiedet zu haben: "Das Kommunalwahldebakel der Münchner CSU hätten wir uns ersparen können." Der Weidener Landtagsabgeordnete Georg Stahl berichtete, er bekomme an der Parteibasis "Negatives" über Beckstein und Huber zu hören.

Beckstein wies Kritik am Aus für den Transrapid zurück. Zu Äußerungen des Vorsitzenden der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Peter Ramsauer, er habe das Projekt zu schnell aufgegeben, sagte Beckstein: "Peter Ramsauer hat mir keine andere Lösung vorgeschlagen. Es hätte niemand mehr den Umschwung geschafft." Nachteile für die CSU fürchte er nicht. Auch Ramsauer versicherte nun, Beckstein habe "alles getan", um das Transrapid-Projekt zu verwirklichen. Dass die Kosten sich so entwickelt hätten, sei "nicht seine Schuld", sondern die Industrie habe "schlecht gerechnet".

Unterdessen wächst auch in der CDU die Sorge über den Zustand der Schwesterpartei. Der Vorsitzende der baden-württembergischen CDU-Bundestagsabgeordneten, Georg Brunnhuber, sagte: "Wir Baden-Württemberger beten jeden Tag, dass die CSU so schnell wie möglich wieder zu ihrer alten Stärke findet."

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