Streit in der SPD : Naumann schreibt Wut-Fax an Kurt Beck

Der Richtungsstreit in der SPD eskaliert: Michael Naumann schäumt vor Wut und wirft Parteichef Beck vor, ihm die Wahl in Hamburg vermasselt zu haben. Parteikonservative fordern, sich klar von der Linken abzugrenzen.

HamburgDer Hamburger SPD-Spitzenkandidat Michael Naumann hat in einem Brief schwere Vorwürfe gegen den Parteivorsitzenden Kurt Beck erhoben. Nach einem Bericht von "stern.de" machte Naumann Beck in einem dreiseitigen Fax persönlich für die Wahlniederlage seiner Partei vom Sonntag verantwortlich.

Der Hamburger Spitzenkandidat wollte Beck wegen seines Verhaltens bereits in der Sitzung des Parteipräsidiums am Montag zur Rede stellen. Beck fehlte dort jedoch wegen einer Grippeerkrankung. Dafür polterte Naumann über Becks Verhalten in der Endphase des Wahlkampfs, berichtet "Spiegel Online": "Wir waren auf der Überholspur, und dann kam ein Lkw aus Mainz und hat alles plattgemacht".

Peer Steinbrück weiterhin gegen Hilfe der Linken

Der Seeheimer Kreis der SPD-Rechten fordert indes, den Vorstandsbeschluss wieder zu kippen, wonach die Landesverbände eigenständig über eine Zusammenarbeit mit der Linken entscheiden können.

Der SPD-Vorstand hatte sich am Montag dafür ausgesprochen, dass die hessische SPD Gespräche mit Grünen und FDP über eine Regierungsbildung führt. Die Entscheidung, ob sich Spitzenkandidatin Andrea Ypsilanti - auch mit Unterstützung der Linken - zur Wahl als Ministerpräsidentin stellt, wurde dem Landesverband überlassen. Am kommenden Montag soll dazu auch der SPD-Parteirat, das höchste Gremium zwischen den Parteitagen, einen Beschluss fassen.

"Im konkreten Fall Hessen halte ich es für falsch, sich auch nur indirekt von den Linken - über eine Duldung - wählen zu lassen", sagte SPD-Vize Peer Steinbrück der "Passauer Neuen Presse". Zwar stehe er zu dem Beschluss vom Montag, er verstehe ihn aber als Aufforderung, jeden Schritt zu unternehmen, "um mit anderen Parteien in Hessen zu einer Regierung zu kommen". (ut/AFP/dpa)

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