Politik : Streit in der Union schadet Merkel

Politbarometer: Wähler attestieren CDU-Chefin weniger Einfluss als Stoiber / SPD legt erneut leicht zu

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Für das Politbarometer im Auftrag von ZDF und Tagesspiegel wurden vom 12. bis 14. Oktober 1240 Bürger befragt.

Der wochenlange Streit in der Union hat das Image von CDU und CSU bei den Wählern deutlich angekratzt und schadet vor allem CDU-Chefin Angela Merkel. Erstmals im ZDF-Politbarometer wird die Union insgesamt als die am stärksten zerstrittene Partei wahrgenommen. Bei der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker rutschte Merkel in den Negativbereich, während sich Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) weiter erholte.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, käme die Union auf 42 Prozent der Stimmen. Das sind im Vergleich zum Politbarometer vor drei Wochen zwei Punkte weniger. Die SPD würde um einen Punkt auf 28 Prozent zulegen, die Grünen erhielten elf Prozent (plus eins), FDP und PDS unverändert je sechs Prozent. Eine Koalition aus CDU/CSU und FDP hätte so mit 48 zu 45 Prozent nur noch eine knappe Mehrheit im Bundestag. In der politischen Stimmung fällt die Union zur Halbzeit der Legislaturperiode mit 41 Prozent auf ihren schlechtesten Wert seit der Bundestagswahl, liegt damit aber weiterhin klar vor der SPD, die sich auch hier um einen Punkt auf 30 Prozent verbesserte. Der Vorsprung der Union vor den Sozialdemokraten ist damit im vergangenen Quartal von 27 Prozentpunkten Anfang Juli auf elf Punkte geschmolzen. Die Unionsverluste in der politischen Stimmung sind dabei ausschließlich auf den Westen zurückzuführen, im Osten verzeichnet sie ein leichtes Plus. Die SPD legt vor allem im Osten zu, im Westen verbessert sie sich nur leicht.

Dass CDU und CSU in wichtigen politischen Fragen eher zerstritten sind, meinen 67 Prozent aller Befragten, lediglich 25 Prozent sagen „eher einig“. Im Juli hielten sie nur 51 Prozent für eher zerstritten und 40 Prozent für eher einig.

Nur noch 43 Prozent sagen, dass Merkel mehr Einfluss in der Union hat als CSU-Chef Edmund Stoiber, dem 44 Prozent den größeren Einfluss attestieren. Im Mai hielten noch 49 Prozent Merkel für einflussreicher als Stoiber (39 Prozent). Bei der Bewertung der zehn wichtigsten Politiker rutschte Merkel auf der Skala im Vergleich zum September von plus 0,1 auf minus 0,3.

Das zwischen CDU und CSU heftig umstrittene Modell einer Einheitsprämie bei der Reform der Krankenversicherung finden laut Umfrage lediglich 18 Prozent aller Bundesbürger besser als das bisherige System. Das von SPD und Grünen vorgeschlagene Modell einer Bürgerversicherung wird dagegen von 42 Prozent dem bisherigen System vorgezogen.

Eine eindeutige Meinung haben die deutschen Wähler in der Frage, wer der nächste amerikanische Präsident werden soll. Wenn die Deutschen wählen dürften, würden sich neun Prozent für Amtsinhaber George W. Bush, aber 80 Prozent für Herausforderer John F. Kerry entscheiden. Im Jahr 2000 favorisierten in Deutschland noch 32 Prozent Bush, 39 Prozent unterstützten damals den Gegenkandidaten Al Gore. Tsp

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