Politik : Streit über Atomkraft als Klimaschützer

Dagmar Dehmer

Berlin - Nach zwei Wochen Klimaverhandlungen in Bonn sind die 2000 Teilnehmer aus 170 Ländern zwar einem Kyoto-Folgeprotokoll noch nicht näher gekommen. Sie wissen aber umso genauer, worüber bis Ende 2009, dann soll in Kopenhagen ein neuer Klimapakt geschlossen werden, noch intensiv gestritten werden muss. Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sagte zum Abschluss der Verhandlungsrunde in Bonn: „Wir verstehen nun genauer, was einzelne Länder am Ende in einer langfristigen Klimaschutzvereinbarung stehen haben wollen.“

Nachdem Japan angekündigt hat, beim G-8-Treffen vorzuschlagen, bis 2050 zwischen 60 und 80 Prozent der Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ist klar, dass der Streit sich um die Frage dreht, um wie viel die Industriestaaten ihre Emissionen bis 2020 vermindern wollen. Die EU hat 20 Prozent angeboten, wenn andere mitziehen sogar 30 Prozent.

Der zweite große Streitpunkt in Bonn war der sogenannte Saubere-Entwicklungs-Mechanismus (CDM). Damit können Industriestaaten oder Unternehmen, die ihren Treibhausgasausstoß vermindern müssen, durch Investitionen in Entwicklungsländern Emissionszertifikate erwerben. Nach Angaben von de Boer ist dadurch allein 2006 ein Markt im Wert von 5,7 Milliarden Dollar entstanden, deutlich mehr, als über Entwicklungshilfe bisher in Energieprojekte fließt. Dass der CDM auch Bestandteil eines neuen Abkommens werden soll, ist bereits klar. Doch welche Investitionen angerechnet werden sollen, ist umstritten. In Bonn ging es dabei vor allem um die Frage, ob Investitionen in neue Atomkraftwerke in Entwicklungsländern als Emissionszertifikaten gutgeschrieben werden soll. Indien und Kanada hatten dies vorgeschlagen. Die Begeisterung darüber war eher verhalten. Aber entschieden ist noch nichts. Dagmar Dehmer

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