Politik : Streit über „Bündnis für Erziehung“

Juliane Schäuble

Berlin - Das „Bündnis für Erziehung“ hat sich gerade erst gegründet, da hagelt es schon Kritik. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Vertreter der beiden großen Kirchen in Deutschland wehrten sich am Donnerstag gegen Vorwürfe, ihre gemeinsame Initiative sei ein „exklusives Bündnis“ und schließe andere Religionsgemeinschaften und Verbände aus. „Dies ist ein Anfang, um wertegebundene Erziehung zu stärken“, sagte die Ministerin bei der Vorstellung des Bündnisses gemeinsam mit der hannoverschen Landesbischöfin Margot Käßmann und dem Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky in Berlin. „Andere sind herzlich eingeladen, sich uns anzuschließen.“ Zu einem zweiten Treffen im Herbst würden auch weitere Religionsgruppen und Verbände eingeladen.

Ziel des Bündnisses ist es laut von der Leyen, Kindern schon von klein auf Werte zu vermitteln. Dabei sei die Politik auf Unterstützung angewiesen. „Unsere Kultur gründet auf christlichen Werten“, sagte die Ministerin. Die Kirchen und ihre Verbände böten sich schon aufgrund ihrer Strukturen an, die eine große Breitenwirkung besäßen. So stellten die katholische und die evangelische Kirche knapp zwei Drittel der Kindergartenplätze der freien Träger. Bezogen auf alle Plätze, also auch auf die der kommunalen Einrichtungen, böten sie 44 Prozent an. Dagegen gebe es nur wenige muslimische Kindergärten, sagte Käßmann. In vier Regionalkonferenzen soll nun über Wertevermittlung diskutiert werden. Wichtig sei auch die Frage, wie Erzieher in Kitas besser qualifiziert werden könnten, sagte Käßmann.

FDP und Grüne sowie der Zentralrat der Juden und der Muslime in Deutschland hatten im Vorfeld Kritik an dem Treffen geübt. Die Arbeiterwohlfahrt und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnten vor einem „Fehlstart“ der an sich begrüßenswerten Debatte über die Wertevermittlung. Es sei irritierend, dass die Ministerin zur Auftaktveranstaltung nur die christlichen Kirchen einlade und anscheinend festlegen wolle, was wertvolle Erziehung sei, sagte GEW-Vorstandsmitglied Norbert Hocke. Gerade bei einem solch sensiblen Thema müsse es einen Dialog aller gesellschaftlichen Akteure geben.

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