Politik : Streit über Strategie für Afghanistan

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Berlin - Nach dem Tod von drei Bundeswehrangehörigen durch einen Selbstmordanschlag in Afghanistan sucht die Politik nach Konzepten für den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) erteilte zwar allen Überlegungen zum Rückzug der im Rahmen der internationalen Schutztruppe Isaf eingesetzten 2971 Bundeswehrsoldaten eine klare Absage, doch die Zahl der Zweifler am Konzept und seinen Erfolgsaussichten wächst.

Jung erklärte am Montag, die Strategie der „vernetzten Sicherheit“ – der Kombination von Terrorbekämpfung und Aufbauhilfe – beginne im gesamten Land zu greifen. Trotz des Attentats würden die Soldaten vor Ort daher weiter auf die Bevölkerung zugehen: „Wir dürfen uns nicht einigeln.“ Grüne und Linkspartei bestärkten dagegen die Forderung, die Gesamtstrategie zu ändern. Wie bereits SPD-Chef Kurt Beck forderte Grünen-Fraktionsvize Hans-Christian Ströbele die Einbeziehung der Taliban in Friedensbemühungen. Kritik kam vom Vorsitzenden des Bundeswehrverbandes, Bernhard Gertz. Er sagte im NDR, es gebe Zweifel an der Sinnhaftigkeit des gemeinschaftlichen Vorgehens. Bereits kürzlich hatte der Verband gefordert, die Bundesregierung müsse ihre Verbündeten in der Nato-geführten Mission anmahnen, wichtige Projekte wie die Bekämpfung der Drogenproduktion stärker anzugehen.

Während von einem Scheitern der Mission in politischen Kreisen offiziell niemand sprechen will, bewerten deutsche Sicherheitsexperten die Lage zunehmend pessimistisch. Die Taliban versuchten auch im Norden, dem deutschen Einsatzgebiet, Fuß zu fassen – mit der Nadelstichtaktik, wie eben dem jüngsten Selbstmordanschlag. „Wir werden noch weitere Attacken sehen“, sagte ein Experte dem Tagesspiegel. Deutschland sei „eindeutig im Fokus“ von Taliban und Al Qaida – und deren Rückzugsraum, das afghanisch-pakistanische Grenzgebiet, sei nicht zu befrieden. fan/lem

Seiten 2, 4 und Meinungsseite

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