Streit um Atomprogramm : Iran zu neuen Gesprächen bereit

Irans Außenminister Mottaki hat sich ungewöhnlich positiv zu den laufenden internationalen Verhandlungen über das Atomprogramm seines Landes geäußert. Die USA reagieren skeptisch.

New York/WashingtonIm Streit um das iranische Atomprogramm ist Teheran nach den Worten von Außenminister Manuchehr Mottaki bereit zu Gesprächen über ein neues Angebot von EU-Chefdiplomat Javier Solana. "Wir sehen eine neue Kapazität, zu einer umfassenden und vielfältigen Herangehensweise zu kommen", sagte der iranische Minister am Rande einer UN-Sitzung am Mittwoch in New York. Mottaki sagte weiter, Solanas Auftreten sei zuletzt von "Respekt" gekennzeichnet gewesen.

"Wir sehen neue Fähigkeiten, wir sehen die Möglichkeit, zu einer Lösung mit zahlreichen Facetten zu kommen", sagte Mottaki. Seine Regierung prüfe derzeit das Angebot einer erweiterten Zusammenarbeit im Gegenzug zu einer Einstellung des iranischen
Uran-Anreicherungsprogramms. Teheran werde "demnächst" auf das von dem EU-Außenbeauftragten Javier Solana vorgelegte Angebot reagieren, kündigte Mottaki an. Solana hatte Iran das neue Angebot der fünf UN-Vetomächte und Deutschlands Mitte Juni unterbreitet. Laut US-Angaben wird Teheran darin bei einem Stopp der Urananreicherung Unterstützung auf den Gebieten Handel, Finanzen, Landwirtschaft und Spitzentechnologie zugesagt.

USA reagieren skeptisch

Solana nannte die jüngste iranische Reaktion auf das internationale Angebotspaket im Atomstreit "interessant". Allerdings liege bisher keine "formale Antwort" vor, sagte eine Sprecherin Solanas in Brüssel. Ein Vertrauter des geistlichen Oberhauptes Irans, Ayatollah Chamenei, hatte sich am Dienstag für Verhandlungen mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland ausgesprochen. Aus Sorge vor Atomwaffen im Iran verabschiedete der UN-Sicherheitsrat bereits drei Resolutionen mit Sanktionen gegen Teheran. Iran versichert dagegen, Atomenergie nur zivil nutzen zu wollen.

US-Präsident Bush setzte unterdessen weiter auf Diplomatie. "Ich habe immer gesagt, dass alle Optionen auf dem Tisch liegen", sagte Bush in Washington. Er ziehe eine diplomatische Lösung jedoch vor. Das Weiße Haus hatte zuvor allerdings skeptisch auf die jüngsten iranischen Aussagen reagiert. "Wir haben jeden Grund skeptisch zu sein", erklärte Präsidentensprecherin Dana Perino. Auch der Sprecher des US-Außenministeriums, Sean McCormack, reagierte verhalten: "Dies sind zwar positive Worte, aber wir haben bisher nicht die Erfahrung gemacht, dass sie (Iran) dem auch Taten folgen lassen".

US-Generalstabschef: Dritte Front wäre "extrem belastend"

Angesichts der anhaltenden Spekulationen, Israel könne Iran angreifen und damit den Verbündeten USA in einen Krieg hineinziehen, sagte US-Generalstabschef Michael Mullen, die Eröffnung einer dritten Front neben den Militäreinsätzen im Irak und in Afghanistan wäre "extrem belastend". Die israelische Regierung machte wiederholt deutlich, dass sie zur Verhinderung des Baus von Atomwaffen im Iran auch vor militärischen Einsätzen nicht zurückschrecken würde. Der iranische Ölminister Gholam Hossein Nosari bekräftigte in Madrid die Warnung, dass ein militärischer Angriff auf sein Land eine "heftige" Reaktion nach sich ziehen werde. (jam/AFP/dpa)

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben