Streit um Falklandinseln : Kleine Inseln, großer Disput

10.02.2012 00:00 UhrVon Sandra Weiß
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner Foto: Reuters
Argentiniens Präsidentin Cristina Kirchner - Foto: Reuters

Vor 30 Jahren führten Großbritannien und Argentinien wegen der Falklandinseln Krieg. Jetzt flammt der alte Konflikt wieder auf.

30 Jahre nach dem Falklandkrieg schaukelt sich der Konflikt um die südatlantische Inselgruppe erneut hoch. Argentinien hat nun angekündigt, die Vereinten Nationen einzuschalten, um die angebliche Militarisierung der Inseln durch Großbritannien zu verurteilen. „Ich habe den Außenminister angewiesen, dieses Thema dem UN-Sicherheitsrat und der UN-Vollversammlung vorzulegen, denn die Militarisierung des Südatlantiks birgt ein großes Risiko für die internationale Sicherheit“, sagte die argentinische Präsidentin Cristina Kirchner. Am Mittwoch wies die britische Regierung, die vorige Woche die Entsendung seines modernen Zerstörers „HMS Dauntless“ auf die Falklandinseln angekündigt hatte, die Vorwürfe zurück.

Es handele sich um Routinemanöver, erklärte die Regierung.

Es gibt mehrere Gründe für das diplomatische Scharmützel zwischen Argentinien und Großbritannien. Zum einen wird vermutet, dass im Einzugsgebiet der Inseln in der Tiefsee Erdöl liegt. Die Bergung des Rohstoffes galt lange als technisch unmöglich, dank neuer Technologien rückt sie aber in greifbare Nähe. Eine Studie der British Geological Society geht nach Angaben der Zeitung „Times“ von einem Vorkommen von 60 Milliarden Barrel aus. Das britische Öl-Unternehmen Rockhopper Exploration hat angeblich 350 Millionen Barrel geortet. Ab 2016 wollen die Briten mit der Förderung beginnen.

Der zweite Grund für die diplomatische Eskalation liegt in den wirtschaftlichen Schwierigkeiten Argentiniens. So musste Kirchner kurz nach ihrer Wiederwahl bereits wegen der hohen Inflation und dem Abflauen des rasanten Wachstums Einsparungen im Staatshaushalt und Tariferhöhungen etwa für Energie und Transport durchpauken. Bei dem Thema Falklandinseln, die in Argentinien „Malvinas“ heißen, steht sogar die Opposition hinter der Staatschefin. „Verhandlungen sind nötig, und zwar so schnell wie möglich“, schrieb die oppositionelle Tageszeitung „La Nacion“.

Argentinien versucht seit langem, die Souveränität über die Inselgruppe auf dem Verhandlungswege zu erlangen. London hat sich bislang jedoch nicht gesprächsbereit gezeigt. Die Briten berufen sich auf das Selbstbestimmungsrecht der Völker. Der Großteil der Inselbevölkerung möchte britisch bleiben. Argentinien hingegen kann auf die Solidarität Lateinamerikas zählen und auf die Unterstützung der UN, die sich im Rahmen der Entkolonialisierung für Verhandlungen einsetzen und 1965 die Falklandinseln als „Fall von Kolonialismus“ bezeichneten. Vor einigen Tagen erst wurde auf dem Gipfel der linksregierten Länder des Alba- Bündnisses (Venezuela, Nicaragua, Kuba, Bolivien, Ecuador, Haiti und diverse Karibikstaaten) der Souveränitätsanspruch Argentiniens unterstützt; die Länder Südamerikas sprachen zudem ein Anlegeverbot für Schiffe aus, die unter der Flagge der Falklandinseln fahren.

Großbritannien besetzte 1833 die Falklandinseln und vertrieb die argentinischen Siedler. 1982 begann die argentinische Militärjunta eine Offensive, die in einem militärischen Debakel endete und das Ende des Militärregimes mit sich brachte. Ausschlaggebend damals war unter anderem die Haltung der USA, die den britischen Verbündeten unterstützten.

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