Politik : Streit um Geld fürs Klima wird schärfer

Dagmar Dehmer

Berlin - Wenn er wüsste, wie sich die Finanzmarktkrise auf die internationalen Klimaverhandlungen auswirkt, „wäre ich ein gemachter Mann“, sagt Yvo de Boer und grinst. Der Chef des Klimasekretariats der Vereinten Nationen (UNFCCC) sieht die marktnahen Instrumente für den Umgang mit dem Klimawandel trotz allen Aufruhrs in den Finanzmärkten jedoch nicht als gefährdet an. Der Emissionshandel und der „Saubere-Entwicklungs- Mechanismus“ (CDM), der es Firmen in Industrieländern erlaubt, Kohlendioxid- Zertifikate zu erwerben, wenn sie in Klimaschutzprojekte in Entwicklungsländern investieren, „werden weitergehen“, sagte de Boer dem Tagesspiegel.

Und angesichts der hohen Energiepreise bleibe es „attraktiv, zu sehen, wie man die Energierechnung reduziert“. Trotz der Finanzkrise rechnet de Boer weltweit weiterhin mit einem „gesunden Wachstum“ und „mit großen Investitionen in das Energiesystem“. Deshalb sei es „sehr wichtig, dass diese Investitionen in eine klimafreundliche Richtung“ weisen werden. Aus de Boers Sicht hat sich die Ausgangslage für den Klimapakt, der Ende 2009 in Kopenhagen verabschiedet werden soll, durch die Finanzkrise nicht wesentlich verschlechtert. Allerdings erwartet er, dass die Verhandlungen über das Geld noch schwerer werden dürften, das Entwicklungsländern von Industrieländern bekommen sollen, um ihre Ökonomien klimafreundlicher zu gestalten, etwa durch einen Transfer sauberer Technologien, oder sich an den Klimawandel anzupassen. Aber: „Am Ende werden die Steuerzahler das Geld aufbringen müssen.“ Angesichts der veränderten Machtverhältnisse zwischen Industrie- und Entwicklungsländern – die Finanzkrise könnte das Gewicht weiter zuungunsten der Industrieländer verschieben – werde die Geldfrage entscheidend für die Klimaverhandlungen werden, meint de Boer.

Bei den Verhandlungen ums Geld dürfte auch die Frage wichtig werden, wie erreicht werden kann, dass die bald ergiebig sprudelnden Klimamittel in Entwicklungsländern tatsächlich für den Schutz der Regenwälder, den Umbau der Ökonomien oder für die Anpassung an den Klimawandel ausgegeben werden, meint der Klimasekretär. Der CDM sei deshalb so schwer zu handhaben, weil die Industrieländer sicher sein wollten, dass das Geld sinnvoll investiert wird. „Jetzt wird der CDM vor allem kritisiert, weil er so kompliziert ist.“ Dagmar Dehmer

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