Streit um Irans Atomprogramm : Reaktor in Arak könnte zum Problem werden

Vor den Atomgesprächen mit dem Iran geben sich die Beteiligten verhalten optimistisch Doch der Reaktor in Arak stellt ein Problem dar: Dort könnte waffenfähiges Plutonium produziert werden.

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Auf der Baustelle des Schwerwasserreaktors in Arak. Das Bild ist von 2006.
Auf der Baustelle des Schwerwasserreaktors in Arak. Das Bild ist von 2006.Foto: AFP

Trotz aller freundlichen Worte und der Charmeoffenisve von Präsident Hassan Ruhani in New York Ende September: Erst bei den für Dienstag und Mittwoch angesetzten Gesprächen in Genf wird sich zeigen, ob es zur Annäherung im Atomstreit mit dem Iran kommt. Die Atmosphäre im Vorfeld ist gut. Man einigte sich problemlos auf einen Ort für das Treffen – ganz anders als unter Ruhanis Vorgänger Mahmud Ahmadinedschad. Und während früher Mitglieder der Revolutionsgarden mitreisten, besteht die Delegation des Iran nun hauptsächlich aus Diplomaten, an ihrer Spitze Außenminister Dschawad Sarif.

UN-Sicherheitsrat fordert mehr Transparenz von Iran

Die wichtigsten Forderungen der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats (USA, Russland, China, Frankreich, Großbritannien) und Deutschland sind ein Ende der Urananreicherung auf 20 Prozent, weil von dort aus verhältnismäßig schnell auf 90 Prozent und somit auf waffenfähiges Material angereichert werden kann. Die Urananreicherungsanlage in Fordo soll geschlossen werden, insgesamt ist mehr Transparenz bei dem Atomprogramm gefordert, von dem Iran seit Jahren beteuert, es sei rein friedlicher Natur. Im Blick auf die Urananreicherung gibt es seitens der 5+1, für die die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton die Gespräche leitet, sowie Irans Signale, wie man sich auf eine gesichtswahrende Lösung einigen könnte. Zu einem Punkt aber herrscht bisher Schweigen: der Schwerwasserreaktor IR40 in Arak.

Die UN-Resolution 1696 von 2006 verlangte vom Iran nicht nur, die Urananreicherung auszusetzen, sondern auch das Schwerwasserprogramm nicht weiter voranzutreiben. Dass Teheran trotz dieser rechtlich bindenden Entscheidung des UN-Sicherheitsrats seit Jahren weiter Uran anreichert, ist bekannt. Über den Schwerwasserreaktor wird dagegen weniger diskutiert, eine Einigung darüber ist aber ebenso wichtig für einen erfolgreichen Ausgang der Gespräche.

Noch ist unklar, wann der Reaktor fertiggestellt sein wird. Wenn er aber einmal in Betrieb gehen sollte, könnte er nach rund einem Jahr genügend hochwaffenfähiges Plutonium produziert haben, das zum Bau von ein bis zwei Atombomben ausreichen würde. Zwar braucht es dazu eine Wiederaufbereitungsanlage, die der Iran nach derzeitiger Kenntnis nicht hat. Doch sei die Wiederaufbereitung weniger anspruchsvoll als die Urananreicherung, die Teheran beherrscht, sagt der Physiker Giorgio Franceschini von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung.

Länder mit einem solchen Reaktor produzieren damit Waffenplutonium

Zudem sei es schon problematisch, dass es IR40 überhaupt gibt. Denn der einzige nachvollziehbare Zweck eines derartigen Reaktors ist die Produktion von hochwaffenfähigem Plutonium. Für die Stromgewinnung ist seine Leistung von 40 Megawatt zu niedrig, zur Produktion von medizinischen Isotopen, wie der Iran argumentiert, ist sie aber zu groß. Auch hat der Iran bereits mit dem umstrittenen Teheraner Forschungsreaktor, der auf 20 Prozent angereichertes Uran nutzt, eine potenzielle Produktionsanlage für Medizinisotope.

Nur drei andere Staaten betrieben derzeit Schwerwasserreaktoren mit einer entsprechenden Leistung, sagt Franceschini: Israel, Indien und Pakistan, alle drei würden die Reaktoren zur Produktion von Waffenplutonium nutzen. Dass der Iran betont, sein Atomprogramm diene rein friedlichen Zwecken, erinnert den Physiker an jemanden, der mit einem Fleischermesser am Tisch sitzt und sagt, er wolle nur Butter aufs Brot schmieren. Da müsse die Frage erlaubt sein, ob ein kleineres Gerät nicht ausreiche. Franceschini schlägt vor, den Reaktor entweder gar nicht in Betrieb zu nehmen oder zu garantieren, dass die abgebrannten Brennstäbe nach dem Einsatz im Reaktor außer Landes geschafft werden, um zu verhindern, dass daraus Plutonium abgetrennt wird. Auch der Direktor der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, Volker Perthes, glaubt ohne eine Lösung zu Arak an keine erfolgreichen Atomgespräche. Für die kommenden zwei Tage aber wäre es bereits ein Erfolg, wenn man sich zum Beispiel auf eine Agenda für weitere Verhandlungen einigen könnte.

Präsident Ruhani hat sogar eine Einigung in den kommenden drei bis sechs Monaten in Aussicht gestellt. Ihn plagt ökonomischer Druck: Mit einer Inflation von 30 Prozent, stetig steigender Arbeitslosigkeit und dramatisch geschrumpften Öleinnahmen steht die iranische Wirtschaft nach Ansicht mehrerer Forschungsinstitute kurz vor dem Kollaps.

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