Streit um Nahostkonflikt : Erdogan verlässt wutentbrannt Weltwirtschaftsforum

Eklat auf dem Weltwirtschaftsforum: Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat am Donnerstag erzürnt eine Podiumsdiskussion in Davos verlassen.

Erdogan
Israels Präsident Shimon Peres und der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan (l.). -Foto: dpa

Davos Der israelische Präsident Shimon Peres hatte vor dem Abgang Erdogans ein flammendes Plädoyer für den Krieg Israels im Gazastreifen gehalten. Als der türkische Ministerpräsident antworten wollte, brach der Moderator das Gespräch aus Zeitgründen ab. Daraufhin verließ Erdogan mit den Worten "Ich komme nicht mehr nach Davos" den Saal. Diese Aussage relativierte er später in einer Pressekonferenz mit dem Organisator des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab. Er habe sich nur auf den Moderator bezogen, sagte Erdogan, der sich beklagte, dass er nur zwölf, Peres aber 25 Minuten habe sprechen können.

Zuvor hatte Peres zum Teil lautstark den israelischen Militäreinsatz in dem Palästinensergebiet verteidigt. Israel habe sich komplett aus dem Gazastreifen zurückgezogen, die Siedlungen aufgelöst, Wasser, Nahrungsmittel und Geld geliefert. "Dafür haben wir Raketen aus dem Iran bekommen", sagte Peres in Bezug auf den Raketenbeschuss der Hamas. "Warum kämpfen die gegen uns?", fragte Peres. Das Problem seien die Ambitionen des Irans im Mittleren Osten. Teheran beliefere die radikal-islamischen Hamas und Hisbollah mit Waffen und Raketen. Israel habe sich lange zurückgehalten, sagte Peres: "Was hätten Sie denn getan, wenn jeden Abend Raketen auf Istanbul niedergegangen wären?", fragte der israelische Präsident den neben ihm sitzenden Erdogan.

Erdogan: "Hier wurde Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt"

Diese direkte und laute Ansprache warf Erdogan seinem israelischen Gesprächspartner auf der Pressekonferenz vor. "Ich respektiere Peres, deswegen habe ich meine Stimme auch nicht erhoben. Was er sagte war nicht wahr, auch wir haben die Fakten", sagte Erdogan. Zuvor hatte er Peres ein schlechtes Gewissen unterstellt.

Der türkische Ministerpräsident hatte sich zuvor enttäuscht gezeigt, dass die Vermittlungsversuche seiner Regierung zwischen Israel und Syrien auch bezüglich der Hamas gescheitert seien. Es hätte nur noch wenig gefehlt und man hätte eine Einigung erzielt gehabt, sagte Erdogan. Doch anstatt auf die Vermittlungen zu antworten sei Israel am 26. Dezember in den Gazastreifen einmarschiert. "Hier wurde Gewalt unverhältnismäßig eingesetzt", sagte Erdogan. Der militärischen Macht Israels hätten die Palästinenser nichts Gleichwertiges entgegenzusetzen gehabt. (ae/dpa)

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