Politik : Streit um Rente mit 67: Gut für die Kasse - und für den Arbeitsmarkt (Kommentar)

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Die Gewerkschaften toben. Pflichtgemäß. Denn jetzt nimmt ihnen der ehemalige Spitzenfunktionär Walter Riester die letzte Gewissheit. Frühverrentung sei gut für die Beschäftigung, so lautet die Überzeugung, aus der die Gewerkschaften ihr Plädoyer für eine "Rente mit 60" ableiten. Der Arbeitsminister hat jetzt laut über einen Renteneinstieg mit 67 Jahren nachgedacht. Das klingt für die Gewerkschaften gefährlich nach Hans-Peter Stihl oder Dieter Hundt. Es geht Riester gar nicht um den Arbeitsmarkt, sondern um die Finanzierung der maroden Rentenkassen. Dabei ließe sich das gewerkschaftliche Dogma schon mit einfachen Statistiken widerlegen. Diese braucht man nicht in den Vereinigten Staaten suchen. Es reicht ein Ausflug in die Schweiz, nicht gerade ein Musterbeispiel für Turbo-Kapitalismus. Glaubt man den OECD-Statistiken, dann sind über 70 Prozent der 55- bis 64-jährigen Schweizer Bürger erwerbstätig. Die Arbeitslosenrate liegt bei vier Prozent. In Deutschland gehen die Menschen faktisch heute schon mit 60 in die Rente. Die Arbeitslosigkeit beträgt aber fast 10 Prozent. Die Regel aus der Praxis lautet: Eine hohe Erwerbsbeteiligung der Älteren nützt der Rentenkasse und schadet dem Arbeitsmarkt nicht.

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