Streit um Satire über Erdogan : Jürgen Todenhöfer wirft Böhmermann Rassismus vor

Die türkische Regierung will Jan Böhmermann vor Gericht sehen. Der Publizist Jürgen Todenhöfer findet, er solle sich entschuldigen und Deutschland nicht auf seinen " billigen Taschenspielertrick" hereinfallen.

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Jürgen Todenhöfer, 1972 bis 1990 CDU-Bundestagsabgeordneter und bis 2008 im Vorstand von Burda. Heute Sachbuchautor.
Jürgen Todenhöfer, 1972 bis 1990 CDU-Bundestagsabgeordneter und bis 2008 im Vorstand von Burda. Heute Sachbuchautor.Foto: Julia Leeb

Jan Böhmermann bekommt in diesen Tagen viel Zuspruch, aber auch Kritik. Besonders harsch hat sich nun Jürgen Todenhöfer zum Streit um das Schmähgedicht des ZDF-Satirikers geäußert. Der ehemalige CDU-Politiker findet es gut, dass sich Bundeskanzlerin Angela Merkel von dem Gedicht "klar distanziert" habe - und das, obwohl diese auch schon in "übelster Weise" von Böhmermann beleidigt worden sei.

"Selten habe ich etwas Ekelhafteres gelesen", schreibt der Publizist auf seiner Homepage. Auch das Schmähgedicht selbst gibt Todenhöfer hier sowie auf seiner Facebook-Seite im Wortlaut wieder. Seiner Meinung nach sei es "erbärmlich und auch rassistisch", es sei eine Beleidigung um der Beleidigung Willen. "Das soll Kunst sein? Verdammt noch mal, nein!"

Gefängnis für Böhmermann fordert Todenhöfer jedoch nicht. Aber dieser solle sich entschuldigen, für seine "Schläge unter die Gürtellinie" und seinen "versteckten Rassismus". Böhmermann habe die Würde anderer Menschen zu respektieren. Auch die des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan. Todenhöfer schließt mit den Worten, Böhmermann sei es "nicht wert, dass sich Deutschland und die Türkei seinetwegen in die Wolle kriegen."

Auf den Hinweis eines Facebook-Nutzers, Böhmermann habe sein Schmähgedicht in dem Kontext vorgetragen, den Unterschied zwischen Satire und Schmähgedicht aufzeigen zu wollen, antwortete Todenhöfer: "Das Argument von Böhmermann, er habe nur zeigen wollen, was auch bei Satire nicht erlaubt sei, zieht nicht." Dann könnte man zahllose Straftaten begehen und müsse lediglich behaupten, man wolle doch nur zeigen, was verboten sei. "Traurig, dass manche auf diesen billigen Taschenspielertrick hereinfallen."

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