Streitkultur : Pirat Ponader ruft zum "Shitstop" auf

Geradezu verlässlich inszeniert die Piratenpartei "Shitstorms" , bei denen einzelne Mitglieder im Netz hemmungslos niedergemacht werden. Schluss damit, fordert nun Bundesgeschäftsführer Johannes Ponader - kritisiert aber gleichzeitig ein vermeintliches Gegenmittel der Piraten.

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Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei: Johannes Ponader
Politischer Geschäftsführer der Piratenpartei: Johannes PonaderFoto: Kai-Uwe Heinrich

Mit einem Aufruf auf seiner privaten Internetseite wendet sich Johannes Ponader, politischer Geschäftsführer der Piratenpartei, gegen den parteiinternen Hang zu den so genannten Shitstorms: "Shitstorms schaden uns" schreibt er. Gesunken seien die Umfragewerte der Partei immer dann, "wenn die Presse darüber berichten konnte, wie wir uns selbst zerfleischen". Die Wähler kämen nicht damit klar, "dass wir uns selbst nicht lieben, dass wir uns bekriegen und fertigmachen, wenn wir uns irren, dass wir uns immer wieder respektlos angreifen, denn das erinnert sie an all das, was wir zu Recht kritisieren, an die 1.0-Politik." Es sei eine große Gefahr, dass manche Piraten mittlerweile auf Eigenschaften wie „shitstormerprobt“ oder „shitstormresistent“ stolz seien.

Gleichzeitig kritisiert Ponader die parteiinterne Mode, als Gegenmittel die sogenannten Flauschstorms zu pflegen, also das gegenseitige Lob. "Flausch ist kein sinnvolles Gegenmittel. Wir brauchen eine Shitstop-Kultur", befindet Ponader, und erklärt das mit einem Vergleich: "Stell dir vor, du gehst mit zwanzig Freunden auf der Straße spazieren. Plötzlich kommen zwei Gestalten, ziehen dich raus und prügeln auf dich ein. In dem Moment bringt es dir nichts, wenn deine Freunde zu dir kommen, dir über den Arm streichen und dir sagen, was für ein toller Mensch du bist. Das einzige, was dir hilft, ist, wenn deine Freunde sich schützend vor dich stellen und die Gewalt stoppen."

Weiter schreibt Ponader: "Schnell ertappt man sich als neutraler Beobachter eines Shitstorm dabei, so etwas zu denken wie: „Naja, aber er*sie hat sich ja wirklich ungeschickt verhalten.“ „Ich selbst hätte auch nicht so gehandelt.“ „Irgendwie hat er*sie den Shitstorm ja auch verdient, er*sie hat sich ja in letzter Zeit wirklich arg aus dem Fenster gelehnt.“ Egal. Stop it. Geh dazwischen." Statt eines konstruktiven politischen Dialogs finde im Shitstorm ein Kampfgeschehen statt, das nicht Lösungen produziere, sondern Gewinner und Verlierer. Ponaders Forderung: "Wir müssen dringend eine Shitstop-Kultur etablieren, in der wir uns angewöhnen, sofort dazwischen zu gehen, wenn jemand auf unangemessene Weise angegriffen wird. Wir dürfen dabei nicht ins Argumentieren verfallen, sondern müssen zuerst die Gewalt stoppen, damit sich der Raum für eine argumentative Debatte überhaupt wieder öffnet."

Und ein Beispiel zum Üben gibt Ponader seinen Parteifreunden auch gleich mit auf den Weg: Die parteiintern so prominente wie umstrittene Piratin Julia Schramm bringt am heutigen Montag ihr Buch "Klick mich. Bekenntnisse einer Internet-Exhibitionistin" auf den Markt. Halb erwartet Ponader einen Shitstorm - und er schreibt: "Ich bin gespannt wie wir dann - alle gemeinsam - reagieren."

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