Politik : Streß für "Macho Jacko"

In seiner Heimat wird "Macho Jacko" nachgesagt, er sei "der zäheste Soldat Großbritanniens". Als Kommandeur der internationalen Friedenstruppe Kosovo Force (KFOR) wird der britische General Michael Jackson diese Eigenschaft in den kommenden Wochen noch gut gebrauchen können. Die Bedrohung durch Minen und Heckenschützen, die Rückkehr der Flüchtlinge, der Wiederaufbau des zerstörten Landes sind auch für einen Spitzen-Soldaten schon eine Menge Arbeit. Aber nun kommen der Nato-geführten Truppe noch die Russen in die Quere. Nachdem Jackson am Sonnabend abend per Hubschrauber in der Kosovo-Hauptstadt Pristina einschwebte, eilte er denn auch sofort zu Gesprächen mit dem russischen General Viktor Sawarsin.

Nach dem Coup der Russen hat Jackson neben dem ohnehin nicht leichten Job im Kosovo auch noch ein politisch hochbrisantes Problem am Hals, die Einbindung der russischen Soldaten in die KFOR-Struktur. Die Russen haben auf ihre Panzer zwar keck den Schriftzug "KFOR" gepinselt, aber wie sie in die UN-Truppe eingebunden werden sollen, bleibt umstritten.

Der britische Berufssoldat nennt sich in jüngster Zeit immer häufiger "Mike" Jackson - offenbar um Verwechslungen mit seinem berühmten Namensvetter, dem US-Popstar Michael Jackson, zu vermeiden. "Macho Jacko" gehört dagegen zu den Spitznamen, die der frühere Offizier des ersten britischen Fallschirmjäger-Bataillons genauso ungern hört wie "Prinz der Dunkelheit".

Mit Jacksons Hartnäckigkeit kam am vergangenen Mittwoch der Durchbruch: Dem nach tagelagem Ringen ausgehandelten militärisch-technischen Abkommen mit Jugoslawien folgten der Beginn des Abzugs und die Aussetzung der Nato-Luftangriffe. Seit 1997 führt der 55jährige die schnelle Eingreiftruppe der Nato in Europa an. Bis jetzt war er im Krieg um das Kosovo in erster Linie damit betraut, die humanitäre Hilfe für die Kosovo-Flüchtlinge in Mazedonien zu organisieren. Nachdem Belgrad vergangene Woche dem Friedensplan zugestimmt hatte, führte er die Nato-Delegation bei den militärisch-technischen Gesprächen. Erfahrungen auf dem Balkan sammelte er bereits als Kommandeur einer Division der Friedenstruppe IFOR in Bosnien-Herzegowina.

Jackson stammt aus einer Familie von Militärs und trat selbst mit 19 Jahren in die Armee ein. Er begann seine Karriere beim Geheimdienst, wo er Russisch lernte. 1967 machte er seinen Abschluß an der Universität von Birmingham, drei Jahre spät er stieß er zu den Fallschirmjägern. Das große Vorbild des Generals ist der britische Feldherr Wellington, der 1815 zusammen mit den Preußen Napoleon bei Waterloo schlug.

Eine weitere Station im Lebenslauf des Michael Jackson war das Verteidigungsministerium in London, das nach Nordirland, in den Falkland-Krieg und nach Berlin entsandte. Jackson ist in zweiter Ehe verheiratet und hat drei Kinder.

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