Politik : Stress macht männlich

Bei Fadenwürmern gibt es Männchen und Zwitter – und die können auch noch anders werden

Paul Janositz

Wozu sind Männer gut? Diese Frage, von Frauen oft gestellt, ist jetzt beantwortet. Und das Ergebnis fällt für das männliche Geschlecht positiv aus, zumindest wenn es zu „Caenorhabditis elegans“ gehört. Bei diesen kurz „C. elegans“ genannten Fadenwürmern erweisen sich Männchen als widerstandsfähiger gegen Stress als die andere Geschlechtsform, die in diesem Fall sowohl männlich als auch weiblich ist.

Die Wurm-Zwitter können sich selbst fortpflanzen, so dass es Elizabeth B. Goodwin, Genetikerin an der Universität von Wisconsin-Madison, rätselhaft erschien, warum sich diese Art noch Männchen leistet. Denn gäbe es nur Zwitter, würde die Population viel schneller wachsen, als wenn immer wieder Männchen dazwischenkommen, schreibt Goodwin in der aktuellen Ausgabe des Magazins „Science“.

Nun bietet Sex zwischen den Geschlechtern auch Vorteile, sonst hätte sich diese Methode nicht in der Natur durchgesetzt. So entstehen beim Mix zweier Genome neue Erbgut-Kombinationen, die sich besser an die veränderte Umwelt anpassen können. Zudem werden Fehler im Genom, die durch zufällige Mutationen entstehen, schneller wieder ausgemerzt.

Doch diese Argumente beschreiben nur langfristige Entwicklungen. Sie erklären nicht, warum sich als Zwitter geborene Würmer in die männliche Form umwandeln können, wie Goodwin herausfand. Um die kurzfristigen Vorteile für Sex mit Männern zu finden, wurden die Würmer unter Stress gesetzt. Man entzog ihnen Essen und traktierte sie mit Schadstoffen.

Unter diesen Bedingungen zeigten neugeborene Zwitter ein merkwürdiges Verhalten: Sie warfen ein Chromosom ab und wurden männlich. Dies gelang nur Würmern, die aus einer gemischt-geschlechtlichen Vereinigung hervorgingen, nicht aber Nachkömmlingen von Zwittern. „Fadenwürmer brauchen eigentlich keine Männer", sagt Goodwin, „doch anscheinend tut ihnen Sex gut“. Bei „C. elegans" ist jetzt klar: Es gibt ein starkes Geschlecht, das Stress besser aushält. Ob das auch auf „Homo sapiens“ übertragbar ist, ist aber noch ungeklärt.

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