Politik : Struck lässt Foltervorwurf untersuchen

Robert Birnbaum/Malte Lehming

Berlin/Washington - Das Bundesverteidigungsministerium untersucht ein Gerücht, nach dem in der Kosovo-Schutztruppe Kfor Fotos mit deutschen Soldaten in Folterszenen kursieren sollen. Ministeriumssprecher Norbert Bicher sagte aber am Mittwoch, derzeit gehe man davon aus, dass an diesen Behauptungen „nichts dran“ sei. Urheber des Gerüchts sei offenbar ein Mann, der sich beim Ministerium und auch bei Medien wie der „Bild“-Zeitung gemeldet und behauptet habe, er habe solche Fotos. Auf Nachfragen habe er relativiert, nicht er selbst, sondern ein Bekannter besitze die Bilder.

Minister Peter Struck habe bei den zuständigen Kommandeuren im Kosovo mehrfach nachfragen lassen. Es gebe aber keine Hinweise, dass es solche Fotos oder Folterungen gegeben habe. „Wir kennen nur das Gerücht, aber keine Bilder“, hieß es im Ministerium. „Wir kennen auch niemanden, der Bilder kennt.“ Auch der „Bild-Zeitung“, die von den Fotos berichtete, liegen nach eigenen Angaben keine Aufnahmen vor. Das Bundeswehr-Mandat im Kosovo wird an diesem Donnerstag verlängert.

Indes weitet sich der Folterskandal der US-Armee aus. Nicht nur im irakischen Gefängnis Abu Ghraib sind Gefangene von Soldaten misshandelt worden, sondern auch in anderen Haftanstalten des Landes sowie in Afghanistan. Insgesamt sind 37 Gefangene in US-Haft gestorben, berichtete die „New York Times“. Nach einer internen Untersuchung der Armee seien die Misshandlungen von viel mehr Armee-Einheiten begangen worden, als bislang bekannt. Die Untersuchung umfasst in etwa ein Jahr. Sie endet im vergangenen Monat, als ein Gefangener mutmaßlich von Navy-Mitgliedern erschlagen wurde. Als Todesursache wird „brutale Gewaltanwendung und Erstickung“ diagnostiziert. Auch die „Third Infantry Division“ soll während zehn Wochen „zahlreiche Gefangene erstickt“ haben. Ein irakischer General wurde offenbar stranguliert. Die Aufklärung vieler Todesfälle ist schwierig, weil oft kein Autopsiebericht existiert. In ihrem Jahresbericht erhebt die Menschenrechtsorganisation Amnesty International schwere Vorwürfe gegen die US-Regierung.

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