Politik : Struck nimmt Abschied mit Arbeiterlied

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Berlin - „Wenn wir schreiten Seit’ an Seit’“: Als das Stabsmusikkorps der Bundeswehr Verteidigungsminister Peter Struck am Mittwochabend mit der klassischen Arbeiterhymne verabschiedet, da beweisen die Musiker der Truppe erneut Taktsicherheit auch bei ungewöhnlichem Repertoire. Nach dem Bundeswehrjubiläum vor vier Wochen, dem Abschied von Kanzler Gerhard Schröder mit „Mackie Messer“ und „My Way“ nun also wieder ein Großer Zapfenstreich – mit einem Lied, das viele bei der Truppe auch als Versprechen verstehen.

„Peter Struck wird sich hoffentlich gut daran erinnern, wie es bei der Bundeswehr aussieht“, sagt Bernhard Gertz, Vorsitzender des Deutschen Bundeswehrverbandes. Der neue Mann im Bendlerblock, Franz Josef Jung (CDU), brauche schließlich starke Verbündete gegen Begehrlichkeiten der Haushalts- und Finanzpolitiker. Denn die Stimmung bei der Truppe ist schlecht, seitdem die Pläne der Haushaltspolitiker der großen Koalition einer Halbierung des Weihnachtsgelds bei Bundesbeamten und sogar der kompletten Streichung bei Wehrpflichtigen und Zivildienstleistenden bekannt geworden sind.

Von den Streichplänen wäre die Bundeswehr am stärksten betroffen, sagt Gertz. „Von 190 000 Berufssoldaten beziehen 150 000 kleinere Einkommen“, erläutert der Verbandschef – eine „schreiende Ungerechtigkeit“, zumal das Weihnachtsgeld erst vor drei Jahren um 40 Prozent gekürzt worden ist. Richtig wütend wird Gertz, wenn es um die Wehrpflichtigen geht. Von 430 000 jungen Männern eines Jahrgangs leisten 150 000 Wehr- oder Zivildienst. „Die werden bestraft, wenn Weihnachts- und Entlassungsgeld wegfallen – und die, die sich drücken, motiviert.“ Gertz unterstützt deshalb den Vorschlag Strucks, bei Kürzungen im öffentlichen Dienst zu differenzieren und Zivis wie Rekruten von den Streichungen auszunehmen. Ob sich Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) davon beeindrucken lässt, ist freilich offen.

„Franz Josef Jung kann ihn ja zu einer Wehrübung abkommandieren. Immerhin ist Steinbrück Leutnant der Reserve“, scherzt Gertz. Gemeinsam können beide dann die zweite Strophe singen von Strucks Lieblingsarbeiterlied: „Eine Woche Hammerschlag, eine Woche Häuserquadern zittern noch in unsern Adern; aber keiner wagt zu hadern“. SB

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