Politik : Studenten protestieren gegen Verbot weiterer Reformzeitungen

In der andauernden Kraftprobe zwischen den Reformkräften um den iranischen Präsidenten Mohammed Chatami und islamischen Hardlinern hat es in der Nacht zum Freitag die ersten Unruhen an einer Teheraner Universität gegeben. Nach Angaben eines Augenzeugen nahmen am Donnerstagabend rund 200 Studenten an einer Protestveranstaltung gegen die Schließung liberaler Zeitungen durch die den Hardlinern nahe stehende Justiz teil. Am frühen Morgen sei es zu gewaltsamen Zusammenstößen gekommen, als Polizisten und Revolutionswächter die Veranstaltung auflösten. Dabei seien Steine geflogen und Reifen in Brand gesteckt worden.

Chatami hatte am Donnerstag erneut dazu aufgerufen, angesichts des Vorgehens der Anhänger des geistlichen Führers Ali Chamenei Ruhe zu bewahren. "Wenn es in der Gesellschaft Spannungen oder eine Krise gibt, sollte jedermann Weisheit und Selbstbeherrschung walten lassen und im Rahmen von Gesetz und Ordnung handeln", wurde er im iranischen Fernsehen zitiert. Am Donnerstag wurden drei weitere Reformzeitungen geschlossen, darunter die vom Bruder des Präsidenten, Mohammed-Resa Chatami, herausgegebene "Moscharekat". Eine Woche vor den Stichwahlen zum iranischen Parlament darf in Iran nur noch ein liberales Blatt, "Bajan", erscheinen. Seit vergangener Woche wurden 16 Reformzeitungen geschlossen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar