Studentenproteste : Polizei stürmt die Pariser Sorbonne

Zum ersten Mal seit 1968 haben Studenten gewaltsam die Pariser Universität Sorbonne besetzt. Sie protestieren gegen die geplante Arbeitsmarktreform. Die Polizei räumte das Gebäude mit Schlagstöcken und Tränengas.

Paris (dpa) - Am frühen Samstagmorgen beendet die französische Polizei die Besetzung der Sorbonne. Hunderte von Studenten errichteten zeitweilig auf den Straßen Barrikaden, bewarfen die Beamten mit Stühlen und Feuerlöschern und demolierten eine McDonald's-Filiale. Innenminister Nicolas Sarkozy verkürzt wegen der Unruhen seine Karibikreise.

Die Studenten wollten mit der Besetzung erreichen, dass die Regierung eine Verlängerung des Kündigungsschutzes für Berufsanfänger auf zwei Jahre zurücknimmt. Jede zweite Universität wird deswegen bestreikt oder blockiert, darunter die Symbole der 68er Unruhen, Sorbonne und Nanterre. Anders als vor 38 Jahren haben die Studenten keine gesellschaftlichen Utopien oder revolutionären Forderungen. Sie werden zwar von den oppositionellen Linksparteien unterstützt, lassen sich von ihnen aber nicht vereinnahmen. Der sozialistische Senator Jean-Luc Mélenchon wurde am Freitagabend aus der Sorbonne gedrängt.

Bildungsminister Gilles de Robien sprach am Samstag von einer «Wende zur Gewalt», die er nicht hinnehmen werde. Eine kleine radikale Minderheit zerstöre «in langen Jahrhunderten aufgebautes nationales Erbe» und schicke junge Leute auf die Straße, die sich der Tragweite ihrer Taten gar nicht bewusst sei. Sie schreckten nicht einmal davor zurück, Behinderte auf der Treppe umzustoßen. Damit spielte Robien auf einen Vorfall an, bei dem eine gehbehinderte Studentin unter ungeklärten Umständen gestürzt war.

Die Studenten wollen den Druck aufrechterhalten, bis Premierminister Dominique de Villepin seine Reform des Arbeitsrechts zurückzieht. Ihr nächster nationaler Protesttag ist für kommenden Samstag geplant. Auch die Gewerkschaften planen nach zwei Aktionstagen weitere Streiks und Kundgebungen. (tso/dpa)

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