Politik : Studie: Bei Vorsorge gegen Brustkrebs wird zuviel geröntgt

Hans Monath

In Deutschland werden zu viele Röntgenuntersuchungen zur Früherkennung von Brustkrebs (Mammografie) durchgeführt. Zu diesem Schluss kommt ein Gutachten der Strahlenschutzkommission, das dem Tagesspiegel in Auszügen vorliegt. Die Strahlenbelastung durch eine Mammografie spreche nur bei 50- bis 69-jährigen Frauen nicht gegen eine regelmäßige Untersuchung; die Zahl der Untersuchungen in Deutschland sei aber höher als sie für eine Reihenuntersuchung dieser Altersgruppe notwendig wäre, heißt es in dem Gutachten.

Die Wissenschaftler kritisieren darin auch, dass ein großer Teil der etwa sechs Millionen Untersuchungen nicht den nötigen Qualitätsanforderungen entspricht. Das Gutachten zum Strahlenrisiko beim so genannten Mammografie-Screening verlangt deshalb Qualitätsstandards nach europäischen Leitlinien, um mögliche Strahlenschäden zu vermeiden.

Auch das Bundesumweltministerium forderte als Konsequenz aus der Studie strengere Kriterien. "Die gegenwärtige Praxis der Mammografie in Deutschland ist untragbar", kritisierte die parlamentarische Staatssekretärin Simone Probst (Grüne) im Tagesspiegel am Sonntag. Forderungen von Frauenverbänden, eine regelmäßige Mammografie zur Früherkennung schon bei Frauen ab 35 einzuführen, erteilte die Staatsekretärin eine "klare Absage". Nach ihren Angaben waren solche Forderungen am Mittwoch bei einer Anhörung des Gesundheitsausschusses vorgebracht worden. Das Risiko für jüngere Frauen, durch eine Röntgenuntersuchungen an Krebs zu erkranken, sei sehr viel höher, sagte Probst.

Die Untersuchung zeige, dass der Plan von Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) richtig sei, regelmäßige Röntgenuntersuchungen zur Brustkrebs-Vorsorge erst für Frauen zwischen 50 und 69 anzubieten, sagte Probst. Von 2003 an sollen die gesetzlichen Krankenkassen für Frauen dieser Altersgruppe eine regelmäßige Röntgenuntersuchung bezahlen. Allerdings müssten Sicherungen eingebaut werden, um Fehldiagnosen zu vermeiden. So müsse jeder Befund doppelt begutachtet werden, der Arzt über große Erfahrung (5000 Untersuchungen im Jahr) verfügen und modernste Geräte einsetzen. "Wir haben im Jahr 100 000 Brustoperationen, die völlig überflüssig sind", sagte Probst.

Unter allen bösartigen Erkrankungen ist Brustkrebs die häufigste Todesursache für Frauen. Nach Informationen der Strahlenschutzkommission erkranken in Deutschland jährlich rund 46 000 Frauen daran. Im Jahr 1999 starben hierzulande 18 000 Frauen an Brustkrebs.

» Gratis: Tagesspiegel + E-Magazin "Wahl 2017"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben