Studie : Betreuungslücken bei unter Dreijährigen

Die öffentliche Kinderbetreuung in Deutschland weist einer Studie zufolge bei den unter Dreijährigen gravierende Lücken auf. Lediglich 9,5 Prozent der Kinder zwischen null und drei Jahren werden in öffentlich finanzierten Einrichtungen betreut.

München - Die Herausgeberin der Studie des Deutschen Jugendinstitutes (DJI), Birgit Riedel, sagte: "Die Eltern werden hier weitgehend allein gelassen." Der DJI-Direktor Thomas Rauschenbach bestätigte, Eltern wünschten sich in Deutschland ein wesentlich größeres Angebot an außerhäuslicher Betreuung bereits nach dem ersten Lebensjahr des Kindes. Die Untersuchung ergab, dass sich 31 Prozent der befragten Eltern einen Betreuungsplatz für das zweite Lebensjahr ihrer Kinder, 60 Prozent für das dritte Lebensjahr wünschen. Rauschenbach zufolge würden insbesondere Migrantenkinder in Deutschland hier von einem erweiterten Angebot profitieren, da bei 60 Prozent der Kinder mit Migrationshintergrund Deutsch zu Hause nicht die Hauptsprache sei.

Besondere Lücken weist die Kinderbetreuung bei den unter Dreijährigen in Westdeutschland auf. Selbst dann, wenn beide Eltern berufstätig sind, werde nicht einmal jedes fünfte Kind unter drei Jahren in einer öffentlichen Kindertageseinrichtung betreut, betonten die DJI-Experten. Gut 80 Prozent der betroffenen Eltern seien somit auf Lösungen jenseits der institutionellen Betreuung angewiesen. In den neuen Bundesländern hingegen werden 40,5 Prozent der unter Dreijährigen in öffentlich finanzierten Einrichtungen betreut.

Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz?

Als politische Konsequenz aus der Studie muss laut DJI-Chef Rauschenbach die Betreuungsfrage der unter Dreijährigen dringend in den Mittelpunkt der Diskussion gerückt werden. Der Mitautor der Studie hält dazu einen uneingeschränkten Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz nach dem ersten Lebensjahr des Kindes für notwendig.

Im Bereich der Kindergartenbetreuung der Drei- bis Sechsjährigen gibt es dagegen der Studie zufolge in Deutschland keine Probleme. Das DJS bezeichnet den Kindergarten gar als "Erfolgsstory". Seit der Einführung des Rechtsanspruchs auf einen Kindergartenplatz besuchen nahezu alle Kinder ab vier Jahren den Kindergarten. Die Untersuchung ergab, dass auch Kinder mit Migrationshintergrund gut in den Kindergarten integriert sind.

Bei der Studie mit dem Titel "Wer betreut Deutschlands Kinder?" handelt es sich nach DJI-Angaben um die erste bundesweite Elternbefragung dazu, wie Familien heute die Kinderbetreuung organisieren. Befragt wurden 8000 Privathaushalte mit Kindern bis zum Alter von sieben Jahren. (tso/ddp)

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