Politik : Studie der Prognos AG: Nur jeder zweite Haushalt hat Grundbesitz

Die Verteilung des Wohlstands hat sich einer neuen Untersuchung zufolge im alten Bundesgebiet seit Ende der 70er Jahre nur wenig verändert. Von 1978 bis 1993 sei entgegen verbreiteter Meinung die Kluft zwischen Arm und Reich nicht wesentlich größer geworden, erklärte Hans J. Barth von der Prognos AG (Basel) bei der Präsentation der Studie am Mittwoch in Berlin. Beim Geldvermögen habe sich der Abstand etwas vergrößert, hingegen sei die Verteilung der Grundvermögen etwas gleichmäßiger geworden.

Die Studie, in der allein die Vermögensverhältnisse in den alten Bundesländern untersucht wurden, erfolgte im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung. Sie umfasst nur den Zeitraum bis 1993. Neuere Daten liegen zwar vor, wurden aber noch nicht ausgewertet. Hauptzweck der Studie sei, "Mängel und Lücken" in der amtlichen Statistik zu schließen, sagte Barth. Im nächsten Jahr will die Bundesregierung erstmals einen Bericht über Reichtum und Armut in Deutschland vorlegen.

Die größten Verteilungsunterschiede bestehen beim Haus- und Grundbesitz. Auf die zehn Prozent Haushalte mit dem höchsten Grundvermögen entfielen 1993 allein rund 46 Prozent des privaten Vermögens an Immobilien. Zugleich wiesen 50 Prozent der Haushalte keine Grundvermögen auf, 1978 waren es noch 56 Prozent ohne Haus- und Grundbesitz. Im Durchschnitt verfügte ein Haushalt 1993 über Grundvermögen in Höhe von 197 000 Mark gegenüber 112 000 Mark 15 Jahre zuvor.

Eine zunehmende Ungleichverteilung registrierten die Autoren bei den Geldvermögen. Die Gruppe der "reichen" Haushalte besaß danach 48 Prozent des gesamten privaten Geldvermögens. Während die Bestände an Geldvermögen in der oberen Haushaltsgruppe zunahmen, waren sie in der untersten Haushaltsgruppe rückläufig. Diese hatten 1993 ein Geldvermögen von 4300 Mark gegenüber 5700 Mark im Jahr 1978.

Das höchste durchschnittliche Vermögen an Geld und Immobilien besitzen laut Studie die Haushalte von Selbstständigen mit 559 000 Mark. Beamtenhaushalte erreichten 286 000 Mark, Rentner 257 000 Mark und Arbeiterhaushalte 229 000 Mark.

Zur künftigen Entwicklung der Wohlstandsverteilung in Deutschland sagte Barth, diese werde stark von der Beschäftigungssituation sowie Veränderungen im Steuer- und Sozialrecht beeinflusst. Zweifel äußerte der Prognos-Geschäftsleiter, ob eine Vermögensabgabe zu einer gleichmäßigeren Verteilung beitrage. Stattdessen empfahl er eine aktive Politik zur Vermögensbildung.

Die Forderung nach mehr Umverteilung und Wiedereinführung der Vermögenssteuer lehnte Barth mit den Worten ab: "Ich gewinne nichts mit einer Vermögensabgabe, es sei denn, ich lasse mich von Sozialneid-Argumenten leiten." Er sprach sich vielmehr für verbesserte Aus- und Weiterbildung zur Verbesserung der Chancengleichheit aus, aber auch für eine verbesserte Förderung der Vermögensbeziehung bei unteren Einkommensbeziehern.

Anders als die Einkommensverteilung weise die Untersuchung der Vermögensverhältnisse erhebliche Lücken auf, gab Barth zu bedenken. So würden von statistischen Erhebungen die reichen und sehr reichen Haushalte kaum erfasst. Auch sei es kaum möglich, die Auswirkungen der Erbmasse von rund 200 Milliarden Mark pro Jahr auf die Vermögensverteilung zu erfassen.

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