Studie : Frauen verdienen weiterhin weniger als Männer

Das Einkommensgefälle zwischen Frauen und Männern ist in allen G-20-Ländern eklatant. Das ergab eine Studie der Entwicklungsorganisation Oxfam. Die Angleichung würde demnach noch Jahrzehnte dauern.

Frauen verdienen immer noch weniger als Männer.
Frauen verdienen immer noch weniger als Männer.Foto: dpa

Die Entwicklungsorganisation Oxfam fordert von den Regierungen der G20-Länder verstärkte Anstrengungen für weltweite Geschlechtergerechtigkeit. Beim derzeitigen Tempo der Angleichungen würden Frauen noch weitere 75 Jahre lang weniger verdienen als Männer, schreibt Oxfam in einem am Montag in Berlin veröffentlichten Bericht.

In allen G20-Ländern sei das Einkommensgefälle zwischen Frauen und Männern eklatant, so Oxfam. In Deutschland verdienen Frauen nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes insgesamt im Durchschnitt 22 Prozent weniger als Männer. Auch bei gleicher Qualifikation beträgt der Unterschied noch sieben Prozent. „Frauen leisten den Großteil unbezahlter Arbeit weltweit und sind überproportional im Teilzeit-Sektor vertreten“, so Tobias Hauschild, Experte für soziale Gerechtigkeit bei Oxfam Deutschland.

Familienfreundliche Strukturen sind gefordert

Der Oxfam-Bericht zeigt, dass Frauen in den G20-Ländern unbezahlte Arbeit im Gegenwert von 20 bis 60 Prozent des Bruttosozialprodukts leisten, etwa durch Kinderbetreuung und Haushaltsmanagement. „70 Prozent der weltweit 1,3 Milliarden in extremer Armut lebenden Menschen sind Frauen und Mädchen. Aus der Armut können sie sich nur befreien, wenn sie die gleichen Einkommensmöglichkeiten erhalten wie Männer“, so Hauschild. Auch
Industrieländer würden von einer Gleichstellung profitieren: Wäre die Erwerbsrate von Frauen genauso hoch wie die von Männern, so würde laut Oxfam-Bericht das Bruttosozialprodukt zum Beispiel in der Eurozone um 13 Prozent steigen.

„Die G20 müssen die Bekämpfung ökonomischer Ungleichheit sowie die Durchsetzung von Frauenrechten und Geschlechtergerechtigkeit klar als Ziele in einer zukünftigen Entwicklungsagenda verankern“, fordert Hauschild. Derzeit wird im UN-Rahmen an einem Zielkatalog für nachhaltige Entwicklung und die Bekämpfung der Armut für die Zeit nach 2015 gearbeitet. „Auch die Bundesregierung ist gefordert und muss sich dem Thema Ungleichheit im Rahmen ihrer gerade begonnenen G7-Präsidentschaft widmen“, so Hauschild.

Zu den erforderlichen Maßnahmen zähle die Entwicklung von Beschäftigungsstrategien, die gute Arbeitsbedingungen für Frauen schaffen und das bestehende Einkommensgefälle zwischen den Geschlechtern beenden. Des Weiteren gelte es, weltweit soziale Sicherungssysteme und familienfreundliche Arbeitsstrukturen zu stärken, die Elternzeit sowie öffentliche Kinder- und Seniorenbetreuung vorsehen. (KNA)

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