Studie : "Kleine Lebenskreise stärken"

Eine Studie fordert von Politik mehr Hilfe zur Selbsthilfe. In der Krise setzen die Menschen mehr auf die Familie als auf den Staat.

BerlinDer frühere sächsische Ministerpräsident Kurt Biedenkopf (CDU) hat die Politik aufgefordert, ihre Regelungswut zu zügeln und stattdessen den Menschen Raum und Unterstützung für neue Formen solidarischer Selbsthilfe zu gewähren. Es gebe „dramatische Probleme, wenn man alles so laufen lässt wie bisher“, warnte Biedenkopf am Freitag in Berlin bei der Vorstellung des zweiten Berichts der von ihm geleiteten Kommission „Familie und demographischer Wandel“ der Robert-Bosch-Stiftung.

Nach Meinung der Experten, zu denen neben Biedenkopf der Soziologe Hans Bertram und die Journalistin Elisabeth Niejahr gehören, entwickeln sich in Deutschland neben der klassischen Familie auch freiwillige Zusammenschlüsse auf Dauer und persönliche Netzwerke, die die Funktion „kleiner Lebenskreise“ übernehmen. Weil die Lebensverhältnisse in den Regionen höchst unterschiedlich seien, würden zentrale Regelungen aus der Bundespolitik häufig den Bedürfnissen der Menschen nicht gerecht. Es sei deshalb nötig, an der Basis zu entscheiden und etwa die „kommunale Familienpolitik“ zu stärken. Zudem solle sich Familienpolitik stärker am Kindeswohl und dem Wohl der Älteren orientieren, meinte Bertram.

Nach Angaben der Autoren ist die Studie nicht als Angriff auf den Sozialstaat gemeint. Der Staat müsse aber „der Phantasie der Menschen, Alternativen zu entwickeln“, Raum lassen, forderte Biedenkopf. Der Staat dürfe aber keine Funktionen übernehmen, die der Familie und den „kleinen Lebenskreisen“ zukomme. „Ab einem gewissen Übermaß an staatlicher Fürsorge gewohnen sich die Menschen daran, dass sie sich in ihrer Gemeinschaft nicht mehr selbst helfen und auch um andere kümmern müssen“, warnte der Kommissionschef. Die Experten fordern unter anderem, die rechtlichen Vorteile, die Lebenspartnerschaften homosexuellen Paaren bieten, auch auf andere Gruppen von Menschen auszudehnen, die sich binden und Verantwortung für einander übernehmen. hmt

www.bosch-stiftung.de

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