Studie : Linke nicht nur Partei des kleinen Mannes

Eine neue Studie belegt, dass Anhänger der Links-Partei nicht hauptsächlich aus den unteren Sozialschichten kommen. Im Osten gehören die meisten Sympathisanten sogar zur gehobenen Mittelschicht.

Christiane Jacke[ddp]
Die Linke Foto: dpa
Linke-Anhänger trinken nicht nur Selter, sondern auch Sekt - denn sie kommen aus allen Einkommensschichten. -Foto: dpa

BerlinDie Linke gibt sich gerne als "Partei des kleinen Mannes". Sie kämpft lauthals gegen "Hartz IV", die "Rente mit 67", die Macht der Großkonzerne und streitet für Mindestlöhne, Grundsicherung und eine saftige Steuer für Vermögende. Eine reine Partei der Geringverdiener ist die Linke trotzdem nicht, wie aus einer neuen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) Berlin hervorgeht, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde.

Rund 12.000 Haushalte wurden befragt

Die Anhänger der Linkspartei kommen demnach aus allen Einkommensgruppen. In Ostdeutschland gehören die meisten ihrer Sympathisanten sogar zur gehobenen Mittelschicht. Die Studie des DIW basiert auf Daten des sogenannten Sozio-ökonomischen Panels (SOEP). Für diese repräsentative Untersuchung befragen die DIW-Forscher seit 1984 jährlich dieselben rund 12.000 Haushalte in Deutschland, unter anderem zu Themen wie Einkommen und politische Einstellungen. Dabei wird nicht die kurzfristige Wahlabsicht der Befragten untersucht, sondern ihre langfristige Bindung an eine Partei.

Fast 20 Prozent der Linke-Anhänger in den neuen Bundesländern kommen der Untersuchung nach aus der Schicht mit dem höchsten Einkommen. Die verbreitete Vermutung, die Sympathisanten der Linkspartei seien überdurchschnittlich von sozialem Abstieg und wirtschaftlicher Not betroffen, sei damit widerlegt, sagt einer der Autoren der Studie, Martin Kroh. Eine Partei der Besserverdiener sei die Linke deshalb aber noch nicht - vor allem nicht im Westen.

Sympathisanten in Ost und West unterscheiden sich stark

In den alten Bundesländern stehen ihre Anhänger oftmals wirtschaftlich schlechter da. Der Großteil von ihnen kommt aus der unteren Mittelschicht. Überhaupt sind die Unterstützer der Linkspartei in Ost und West der Umfrage nach sehr unterschiedlich. In den neuen Bundesländern sind sie im Durchschnitt älter, besser gebildet und stärker gesellschaftlich engagiert als in den alten Bundesländern. Während sich die ostdeutschen Anhängern vor allem um die allgemeine wirtschaftliche Entwicklung sorgen, geht es den westdeutschen Mitstreitern zuerst um die eigenen Probleme - den Arbeitsplatz und das Geld im Portemonnaie.

"Was die Anhänger betrifft, gibt es bei der Linken noch zwei Parteien", sagt Kroh. Mehr als ein Jahr ist es her, dass sich die Linkspartei, PDS und die Wahlalternative Arbeit und Soziale Gerechtigkeit (WASG) zur Linken zusammenschlossen. Seitdem hat die neue Partei viel erreicht. Mittlerweile sitzt sie in vier westdeutschen Landtagen. Dies seien aber vor allem kurzfristige Wahlerfolge, sagt Kroh. Den Durchbruch bei der langfristigen Parteibindung habe die Linke im Westen noch nicht geschafft. Der Anteil der "stabilen Anhänger" liegt laut Umfrage im Osten bei 30 Prozent, im Westen dagegen nur bei 3 Prozent.

"Linke ist kein vorübergehendes Phänomen"

Linke-Bundesgeschäftsführer Dietmar Bartsch freut sich gleichwohl über die Ergebnisse der Umfrage: Sie zeige die wachsende Verankerung der Partei in Ost und West und in allen sozialen Schichten, argumentiert er: "Die Studie widerlegt alle Behauptungen unserer politischen Gegner, die Linke sei ein vorübergehendes Phänomen, deren Erfolg allein auf dem angeblichen 'Sozialneid' ihrer Anhänger beruhe." Es gebe eine wachsende eigene Stammwählerschaft. Die DIW-Forscher äußern sich zurückhaltender.

Anhänger habe die Linke in den vergangenen Jahren zwar gewonnen, sagt Thomas Siedler, Co-Autor der Studie. Gerade der Rückhalt unter Arbeitern wachse. Die meisten Sympathisanten hätten aber vorher keine feste Parteibindung gehabt oder seien zwischen verschiedenen politischen Lagern geschwankt. Von anderen Parteien kann die Linke der Umfrage zufolge dagegen kaum Unterstützer abgreifen - zumindest nicht auf Dauer.

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