STUDIE : Mal ehrlich: Wenn alle Steuern zahlen würden

Hier ein paar hundert Millionen bei den Renten kürzen, dort eine Milliarde im Gesundheitswesen streichen – es ist eine knifflige Rechenaufgabe, über der die Experten des griechischen Finanzministeriums seit Wochen brüten: In den beiden kommenden Jahren muss das Land 11,5 Milliarden einsparen, um das Haushaltsdefizit abzubauen. Dabei wäre alles so einfach: Wenn Freiberufler und Selbständige ehrlich ihre Steuern zahlen würden, bräuchte das Land kein neues Sparpaket. So lautet das Fazit einer Studie der Universität Chicago. Die drei Verfasser kommen in ihrer Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die griechischen Selbständigen und Freiberufler 2009 fast die Hälfte ihrer Einkünfte vor dem Finanzamt versteckten. Die hinterzogenen Steuern beliefen sich nach der Studie auf 11,2 Milliarden Euro. Das entspricht fast dem Konsolidierungsvolumen von 11,5 Milliarden, um das jetzt gerungen wird. Am meisten Steuern hinterziehen demnach Ärzte, die im Schnitt jährlich 29 343 Euro vor dem Zugriff des Fiskus in Sicherheit bringen, gefolgt von Ingenieuren, die 28 625 Euro zu wenig deklarieren. Steuerberater und Rechtsanwälte verheimlichen dem Finanzamt durchschnittlich rund 24 000 Euro im Jahr.

Tatsächlich dürfte die Steuerhinterziehung ein weitaus größeres Ausmaß haben als die in der Studie genannten Summen. Der frühere Chef der griechischen Steuerfahndung bezifferte im Frühjahr die Summe auf 40 bis 45 Milliarden Euro, pro Jahr. Zum Vergleich: Griechenlands Haushaltsdefizit wird 2012 voraussichtlich rund 14 Milliarden Euro erreichen.

Übrigens: Die griechischen Steuerfahnder führten vor kurzem rund 4000 Kontrollen in Tourismuszentren des Landes durch. Überprüft wurden vor allem Hotels, Restaurants, Bars und Geschäfte. Fast in sechs von zehn kontrollierten Betrieben stellten die Fahnder Unregelmäßigkeiten fest. öhl.

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