Politik : Studie: Rassismus in Deutschland nimmt zu Vorurteile gegen Juden und Muslime

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Berlin (Tsp). Rassistische Ressentiments und Angst vor sozialem Abstieg nehmen in Deutschland offenbar zu. Es gebe im Land ein „Klima der Vergiftung“, sagte der Bielefelder Konfliktforscher Wilhelm Heitmeyer am Donnerstag in Berlin. Heitmeyer präsentierte erste Ergebnisse einer auf zehn Jahre angelegten Langzeitstudie mit dem Titel „Deutsche Zustände“. Demnach meinen 55 Prozent der Bundesbürger, es gebe zu viele Ausländer im Land. Überraschenderweise seien Frauen deutlich fremdenfeindlicher eingestellt als Männer. Außerdem nehmen Vorurteile gegenüber Muslimen auch bei zunehmendem Bildungsgrad der Befragten nicht ab. Ein Drittel der Bevölkerung stört, dass wieder mehr Juden in Deutschland leben. Auch die Abneigung gegen Obdachlose und Homosexuelle ist weit verbreitet. So fordern 34 Prozent, Obdachlose aus Fußgängerzonen zu entfernen. 33 Prozent emfinden Ekel, wenn sich Homosexuelle küssen. Gleichzeitig sind mehr als 60 Prozent der Ansicht, die wirtschaftliche Lage sei schlecht. 34 Prozent sind auch mit ihrer persönlichen Situation unzufrieden. Fast jeder Dritte fürchtet, seine Arbeit zu verlieren. Heitmeyer und sein Team befragen im Rahmen der Studie jährlich rund 3000 „repräsentativ ausgewählte Personen der deutschen Wohnbevölkerung“. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse mahnte bei der Vorstellung der Studie eine Lösung der Probleme auf dem Arbeitsmarkt an, als „fundamentalen Beitrag der Gesellschaft zur Verminderung menschenfeindlicher Haltungen“. Die Studie wird, kombiniert mit Essays und Reportagen, in zwei Wochen als Buch in der „edition suhrkamp“ erscheinen.

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