Studie : Schwarzarbeit in jedem dritten Haushalt

Schwarzarbeit in Deutschland floriert: Vor allem Senioren nutzen billige Hilfen, durch die dem Staat 230 Milliarden Euro verloren gehen.

Yasmin El-Sharif

Berlin - Schwarzarbeit in Deutschland floriert. Nahezu jeder dritte Haushalt hierzulande beschäftigt daheim eine illegale Hilfe. Das ergab eine am Dienstag veröffentlichte repräsentative Umfrage von TNS Emnid im Auftrag des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Zwar stammen die Daten aus dem Jahr 2007, aber laut IW nimmt Schwarzarbeit seitdem sogar noch weiter zu. Besonders verbreitet ist demnach die illegale Beschäftigung von Handwerkern. Ihr Anteil an der Schwarzarbeit macht insgesamt 19 Prozent aus. Aber auch die Kosten für Haushaltshilfen wie etwa Putzfrauen, Gärtner oder Kinderbetreuer werden häufig am Finanzamt vorbei abgerechnet. Laut Umfrage macht der Anteil dieser Haushaltshilfen 16 Prozent der Schwarzarbeit aus.

Die Untersuchung zeigt, dass vor allem alleinstehende Senioren illegale Beschäftigung nutzen. Sie stellen 18 Prozent der hochgerechnet mehr als vier Millionen Haushalte mit Schwarzarbeit dar. IW-Expertin Karen Horn zufolge ist das eine unmittelbare Auswirkung des demografischen Wandels: Weil die Bevölkerung altere, gebe es immer mehr Menschen, die Hilfe benötigten. Die zweite große Gruppe unter den Nutzern von Schwarzarbeit sind Doppelverdienerhaushalte ohne Kinder: laut IW ebenfalls eine Folge gesellschaftlicher Veränderungen, weil immer mehr Frauen selber arbeiteten. Für die Hausarbeit bliebe deshalb nur noch wenig Zeit übrig.

Mindestens 150 Milliarden Euro werden dem IW zufolge mit Schwarzarbeit in Haushalten jedes Jahr am Fiskus vorbei erwirtschaftet. Zählt man noch Materialkosten hinzu, summiert sich das unversteuerte Geld auf rund 230 Milliarden Euro. Berechnungen des Ökonomen Friedrich Schneider von der Universität Linz zufolge belief sich das Gesamtvolumen an schwarz erwirtschaftetem Geld – die organisierte Schwarzarbeit inklusive – im Jahr 2008 gar auf rund 347 Milliarden. „Durch die schwere Weltwirtschaftskrise dürfte die Schattenwirtschaft in diesem Jahr nochmal um mindestens acht Milliarden Euro wachsen“, sagte Schneider dem Tagesspiegel. Umgerechnet entgingen dem Staat damit jährlich Steuereinnahmen in Höhe von bis zu 50 Milliarden Euro.

Dass die befragten 1000 Bürger illegal handeln, scheint sie aber nicht zu stören. So gaben acht von zehn Befragten an, kein schlechtes Gewissen zu haben. „Schwarzarbeit im Haushalt wird von der Bevölkerung weitgehend akzeptiert“, meint Horn. Maßgebliche Ursache dafür könnten die höheren Kosten sein, die bei legaler Beschäftigung entstehen. Dem Experten Schneider zufolge hätten die befragten Bürger über das Jahr gerechnet statt im Schnitt 1000 Euro das Doppelte für die Dienstleistungen ausgeben müssen.

Das arbeitgebernahe IW fordert daher, dass legale Beschäftigung attraktiver gemacht werden müsse. Die Politik könne dazu beitragen, indem sie die Bürger von Steuern und Abgaben entlaste und die Selbstständigkeit als Erwerbsform fördere. Die seit Anfang des Jahres höhere Absetzbarkeit von privaten Dienstleistungen sei bereits der richtige Weg dahin. „Wenn es gelingt, diese illegalen Jobs aus der Schmuddelecke herauszuholen und den Markt für Familiendienstleistungen generell anzukurbeln, könnten in Deutschland mehrere hunderttausend legale Arbeitsplätze entstehen“, sagte Horn. Bis zu 600 000 legale Vollzeitjobs könnte es geben, wenn ein großer Teil der in der Umfrage potenziell an Hilfen interessierten 14 Millionen Haushalte diese anmeldete. Davon würden auch die Beschäftigten profitieren, die dann sozialversichert wären.

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