Studien : Reiche immer reicher, Arme immer ärmer

Dem steigenden Reichtum im Westen stehen eine niedrige Lebenserwartung, hohe Müttersterblichkeit und kaum Fortschritte bei der Bekämpfung von Kinderarbeit in den Ländern der Dritten Welt gegenüber. Zwei Studien zeigen deutlich die Folgen sozialer Ungerechtigkeit weltweit.

Washington/GenfSoziale Ungerechtigkeit kostet weltweit unzählige Menschen das Leben. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht für die Weltgesundheitsorganisation (WHO), der am Donnerstag in Genf vorgestellt wurde. Dem Report zufolge hat etwa ein Mädchen in Lesotho eine 42 Jahre kürzere Lebenserwartung als eines in Japan. Eine Frau in Schweden hat ein Risiko von 1 zu 17.400, bei Schwangerschaft oder Geburt zu sterben, eines in Afghanistan dagegen von 1 zu 8. Doch solche dramatischen Unterschiede betreffen nicht nur die Entwicklungsländer: So habe etwa ein Kind aus einem Vorort der schottischen Stadt Glasgow im Schnitt 28 Jahre weniger zu leben als ein Altersgenosse, der nur 13 Kilometer entfernt das Licht der Welt erblickt hat.

Für alle diese Unterschiede gebe es keine biologische Erklärung, betont der Report. "Soziale Ungerechtigkeit tötet im großen Maßstab Menschen", schreiben die Autoren des UN-Berichts. Sie empfehlen unter anderem, Geld, Macht und Rohstoffe weltweit gerechter zu verteilen. So habe die Globalisierung der vergangenen 25 Jahre zwar zu einem enormen Zuwachs des Reichtums weltweit geführt. Die Lücke zwischen den ärmsten und reichsten Ländern sei aber dadurch mehr als doppelt so groß geworden. In den Augen der Autoren ließe sich die tödliche Ungerechtigkeit lindern - verschiedene Länder, insbesondere in Nordeuropa, seien bereits mit leuchtendem Beispiel vorangegangen.

Mehr Anstrengungen gegen Kinderarbeit weltweit gefordert

Gleichzeitig kommt eine Studie des US-Arbeitsministeriums zum Schluss, der Kampf gegen Kinderarbeit trete auf der Stelle. Gesetze erwiesen sich in vielen Ländern als wirkunglos. "Die Bemühungen um eine Umsetzung scheitern chronisch an unzureichenden Mitteln", heißt es in der Studie für den US-Kongress, die am Mittwoch in Washington veröffentlicht wurde. Auch aufgrund von Korruption müssten Kinder unter "gefährlichen" Bedingungen arbeiten, wodurch ihnen die Kindheit, wenn nicht gar die Zukunft geraubt werde.

Die staatlichen Kontrolleure würden "in vielen Ländern nicht angemessen ausgebildet", sie seien "aufgrund niedriger Einkommen für Bestechung anfällig", beklagen die Autoren der Studie. Allerdings seien in den meisten Ländern "Anstrengungen" festzustellen, "die schlimmsten Formen der Kinderarbeit zu unterbinden". Zusätzliche Maßnahmen gegen Kinderarbeit seien etwa in den Philippinen, Panama, Guinea, der Dominikanischen Republik und Liberia ergriffen worden. In anderen Ländern, etwa in Ghana, Malawi, Bolivien, Kambodscha, Indonesien und Madagaskar, werde der Kinderhandel verschärft bekämpft.

Um Kinder vor Ausbeutung zu schützen, müssten die Anstrengungen weltweit verstärkt werden, erklärte das Arbeitsministerium in Washington. "Noch immer müssen Millionen Kinder unter gefährlichen und ausbeuterischen Bedingungen arbeiten", sagte Ministeriumssprecherin Peggy Abrahamson. Nach einer Schätzung der Internationalen Arbeitsorganisation (Ilo) arbeiten weltweit rund 218 Millionen Kinder zwischen fünf und 17 Jahren unter "ausbeuterischen" Bedingungen. (nis/dpa/AFP)

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