Politik : Studienplätze: Der Bund sieht Länder am Zug

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Berlin - Bund und Länder müssen bis 2015 sieben Milliarden Euro zusätzlich aufbringen, um ausreichend Studienanfängerplätze zu finanzieren. Das hat die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) aufgrund einer neuen Prognose errechnet, die die Kultusministerkonferenz (KMK) am Freitag veröffentlichte. Die Grundfinanzierung der Hochschulen müsse jetzt durch gemeinsame Anstrengungen von Bund und Ländern gesichert werden, fordert HRK-Präsidentin Margret Wintermantel. „Wir dürfen die Studierenden nicht mit Notlösungen abspeisen.“

Wie berichtet muss die KMK ihre frühere Prognose korrigieren. Für die Jahre 2011 bis 2020 erwartet sie nun knapp 750 000 Studienanfänger mehr als bisher vorausberechnet. Bis 2019 werde die Zahl der Erstsemester voraussichtlich über 450 000 im Jahr liegen, heißt es. Der Hochschulpakt, mit dem Bund und Länder den Aufbau zusätzlicher Studienanfängerplätze finanzieren, war bislang darauf ausgelegt, dass die Welle der Studenten ab 2015 wieder abebben würde.

Als Hauptgrund für das konstante Studentenhoch nennt die KMK, dass sich mehr und mehr Abiturienten für ein Studium entscheiden. Die Zahl der Gymnasiasten steigt, die Zeit bis zum Abitur wurde um ein Jahr verkürzt, doppelte Abiturjahrgänge verlassen die Schulen. Zudem wurde die Wehrpflicht abgeschafft. Und immer mehr nehmen dann ein Studium auf – zunehmend auch Berufstätige, die sich weiterqualifizieren wollen.

Die Wissenschaftsministerin von Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen (SPD), fordert den Bund auf, „die Mittel für den Hochschulpakt zu erhöhen“. Doch das Bundesbildungsministerium sieht die Länder in der Pflicht: Der Bund habe bis 2015 fünf Milliarden Euro investiert, um die doppelten Abiturjahrgänge und die Aussetzung der Wehrpflicht aufzufangen, sagte eine Sprecherin. Es stelle sich die Frage, „ob alle Länder in gleichem Maße ihrer Verantwortung nachgekommen sind“. Auch Niedersachsens Wissenschaftsministerin Johanna Wanka (CDU) spricht von einem „sehr heterogenen“ Bild. Pauschale Forderungen nach mehr Geld vom Bund gingen daher an der Realität vorbei. Die Berliner Wissenschaftssenatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte, Berlin habe die Zahl der Studienanfängerplätze weit über das hinaus gesteigert, was die Vorausberechnung bisher vorsah. Daher könne man den neuen Zahlen „entspannt“ begegnen. Amory Burchard

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