Politik : Stuttgarter Verwaltungsgericht weist Klage von Muslimin ab

Das Stuttgarter Verwaltungsgericht hat im so genannten "Kopftuchstreit" die Klage der muslimischen Pädagogin Fereshta Ludin abgewiesen. Das Tragen des Kopftuchs im Unterricht sei ein "demonstratives religiöses Bekenntnis" und damit nicht zulässig, da Schüler diesem Bekenntnis nicht ausweichen könnten, urteilte das Gericht am Freitag. Es habe "die persönliche Eignung der Klägerin für den Schuldienst verneint" (Az: 15 K 532/99). Der Artikel 4 des Grundgesetzes über die Glaubensfreiheit gelte zwar auch für eine Lehrerin, urteilte das Gericht. Das demonstrative religiöse Bekenntnis der Pädagogin werde aber der Pflicht des Staates zur Neutralität in Glaubensfragen nicht gerecht.

Die 28-jährige deutsche Lehrerin afghanischer Herkunft wollte mit ihrer Klage die Übernahme in den staatlichen Schuldienst erreichen. Dies hatte das Oberschulamt abgelehnt, weil die Muslimin ihr Kopftuch auch im Unterricht nicht ablegen wollte. Die Klägerin hatte vor Gericht angegeben, sie trage das Kopftuch aus freien Stücken. Es sei für sie Bestandteil ihrer Glaubensidentität. Sie wolle mit dem Tragen des Kopftuchs niemand missionieren. Der Anwalt der Pädagogin sagte, es gebe in Baden-Württemberg bereits eine Lehrerin, die im Unterricht ein Kopftuch trage.

Ludin kam mit 14 Jahren in die Bundesrepublik. Sie gab an, in einem religiös liberalen Elternhaus aufgewachsen zu sein, aber schon früh eine starke Zuneigung zum islamischen Glauben gewonnen zu haben. Der Vertreter des Oberschulamts hatte argumentiert, das Grundrecht auf Religionsfreiheit gelte nicht nur für Fereshta Ludin, sondern auch für Schüler und Eltern.

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