• Suche nach den Attentätern: "Rechtsextremisten in den USA sind fanatisch genug" - Experte hält amerikanische Mittäter bei Anschlägen für wahrscheinlich

Politik : Suche nach den Attentätern: "Rechtsextremisten in den USA sind fanatisch genug" - Experte hält amerikanische Mittäter bei Anschlägen für wahrscheinlich

Herr Grumke[sind amerikanische Rechtsextremisten]

Thomas Grumke (31) gilt als Kenner der rechten Szene in den USA. Letztes Jahr hat der Lehrbeauftragte an der Freien Universität ein Buch über seine mehrjährigen Recherchen herausgebracht. Mit Grumke sprach Frank Jansen.

Herr Grumke, sind amerikanische Rechtsextremisten zu Anschlägen wie denen in New York und Washington fähig?

Es ist nicht auszuschließen, dass amerikanische Rechtsextremisten die Urheber dieser Terrorwelle sind. Amerikanische Rechtsextremisten sind fanatisch genug. Sie haben die Ideologie, die notwendig ist, solche Kamikaze-Attacken durchzuführen und sie haben auch strategische Möglichkeiten.

Wissen Sie, welche Theorie die amerikanischen Sicherheitsbehörden verfolgen?

Ich habe Informationen, dass die amerikanischen Sicherheitsbehörden verstärkt in Richtung Rechtsextremismus ermitteln. Man vermutet, dass eine Anschlagswelle, die so gut geplant ist, nicht ohne Amerikaner vollzogen werden kann. Es sind nicht nur zeitgleich mit einem enormen logistischen Aufwand vier Flugzeuge entführt worden. Die Sicherheitsvorkehrungen wurden überwunden und die Maschinen sind unter dem Radar hindurch geflogen. Das ist ohne intime technische Kenntnis nicht möglich. Man fliegt nicht einfach so auf das Pentagon zu, ohne dass es bemerkt wird.

Wie könnten Rechtsextremisten an die nötige Logistik herangekommen sein?

Amerikanische Rechtsextremisten verfügten schon immer über Verbindungen zur Armee. Sie haben dort Sympathisanten und können möglicherweise Logistik abfragen.

Halten Sie es für denkbar, dass amerikanische Rechtsextremisten auch mit nahöstlichen Terroristen kooperiert haben?

Konkret liegen mir solche Hinweise nicht vor. Aber es gibt Verbindungen. Ein Beispiel: Die Gruppe "White Aryan Resistance", abgekürzt WAR, auf Deutsch "Krieg", unterhält Kontakte zu der Schwarzen-Bewegung "Nation of Islam". Diese hat Beziehungen zu Staaten und Gruppen im Nahen Osten. Gemeinsamer Nenner ist der Antisemitismus. Da gilt: Ein Feind Israels ist ein Freund.

Müssten amerikanische Rechtsextremisten nicht befürchten, in den USA restlos diskreditiert zu sein, wenn man mit nahöstlichen Terroristen gemeinsame Sache macht?

Amerikanische Rechtsextremisten sind nicht nur fanatisch genug, sie haben auch eine Verschiebung der Ideologie vollzogen. Das heißt weg von kleineren Konflikten, wie wir sie von Deutschland kennen, also Angriffe auf der Straße gegen Nicht-Weiße zum Beispiel. Amerikanische Rechtsextremisten setzen jetzt auf den Kampf gegen das so genannte System. Dieses wird definiert als "ZOG", als "Zionist Occupied Government". Das bedeutet "jüdisch okkupierte Regierung". Sie wird als Teil einer jüdischen Weltverschwörung angesehen. Der Kampf der Rechten gilt der Regierung und allen Behörden, wie man in Oklahoma City gesehen hat. Dort hat Timothy McVeigh seinen Widerstand gegen "ZOG" mit dem Anschlag auf ein Regierungsgebäude demonstriert.

Der Rechtsextremist Alex Curtis hat per Internet detaillierte Anleitungen zum Bau von biologischen Kampfstoffen gegeben. Wird in der Szene an solchen Waffen gebastelt?

Das ist kein besonders neues Szenario. In den letzten Jahren sind im Internet Anleitungen zum Bau von Bomben bis hin zur Produktion von Giftgas aufgetaucht. Und in den USA wurde vor zwei Jahren ein ehemaliges Mitglied der Gruppe "Aryan Nations" festgenommen. Der Chemiker transportierte in seinem Auto Milzbranderreger.

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