Politik : Sudans Regierung geht gegen Opposition im Land vor

Steven Geyer[Khartum]

Sudan ist von einer Entspannung weit entfernt. Zwar verbessert sich laut internationalen Hilfsorganisationen die Versorgung der Flüchtlinge in der Bürgerkriegsprovinz Darfur. Dennoch kommen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jeden Monat Tausende von Flüchtlingen ums Leben, darunter zahlreiche Kinder. Hauptgründe für die „alarmierenden Ausmaße“ der Todesfälle seien die anhaltende Gewalt und Durchfallerkrankungen durch verschmutztes Wasser. Die Regierung in Khartum geht indes verstärkt gegen die Opposition des Landes vor, der sie Verschwörung mit den Rebellen aus Darfur vorwirft. Die schwarzafrikanischen Rebellen kämpfen gegen die berüchtigten arabischen Dschandschawid-Milizen, die für Massaker an der schwarzafrikanischen Zivilbevölkerung der Region verantwortlich gemacht werden. Weit mehr als eine Million Menschen wurden zudem aus ihren Dörfern vertrieben.

„Es kommen zwar immer noch täglich Flüchtlinge hinzu, aber die Menge ist zu bewältigen“, sagt Mario Helwig, der für das Deutsche Rote Kreuz in Al Fascher in Norddafur arbeitet. „Wer die von uns betreuten Krankenhäuser und Camps erreicht, fühlt sich sicher und kann medizinisch gut versorgt werden“, ergänzt er. Die Versorgung mit Medikamenten sei zufrieden stellend – geschehe aber per Flugzeug, weil die Landwege schlecht zugänglich oder zu unsicher seien. Dieselben Probleme sieht die Hilfsorganisation Care: „Aus den ländlichen Regionen werden noch Kämpfe gemeldet“, sagt Robert Bulton, der in Khartum das Care-Programm koordiniert. Der generelle Trend sei jedoch positiv: Die Zusammenarbeit mit der Regierung sei effektiver geworden, durch den nachlassenden Regen werden die Straßen wieder befahrbar. „Wir liefern jeden Monat mehr Nahrung aus. Von den 500 000 Menschen, die wir erreichen wollen, versorgen wir bereits die Hälfte.“ Die Welthungerhilfe schätzt, dass dennoch zurzeit „nur etwa 80 Prozent der geschätzten eine Million Flüchtlinge mit Nothilfe erreicht werden“. World Vision klagt darüber, dass „die Kapazitäten der Gesundheitsdienste überstrapaziert“ sind und entlegenere Gebieten nur „im Schneckentempo“ erreicht werden.

Auf die verbesserte Lage verweist auch die sudanesische Regierung immer wieder. „Von den 12 000 Polizisten in Darfur sind 7000 zur Sicherung von Straßen und Flüchtlingscamps eingesetzt“, antwortete der Sprecher der staatlichen Hilfskommission bei einem Treffen mit Hilfsorganisationen auf einzelne Beschwerden. „Wenn es zu Attacken kommt, sind das Einzelfälle.“

Eine inzwischen von der Regierung veröffentlichte Liste soll dokumentieren, wie sie die zentralen UN-Forderungen erfüllt: Erleichterte Einreise für Krisenhelfer, zusätzliche weibliche Richter für Vergewaltigungsprozesse und mehr als 200 Prozesse gegen Gewalttäter – darunter auch Polizisten und zwölf Anführer der Dschandschawid. Drei der Milizanführer wurden inzwischen zum Tode verurteilt. Khartum habe sich mit den UN auf ein Vorgehen bei der Entwaffnung der Milizen geeinigt und erkenne den Friedensvertrag für Südsudan als Vorbild für Darfur an, heißt es von offizieller Stelle.

Doch der innenpolitische Druck wächst: Der sudanesische Geheimdienst behauptet, er habe in der vergangenen Woche einen Putschversuch in der Hauptstadt vereitelt. Ein Waffenlager sei ausgehoben, mehrere Verschwörer aus dem Umfeld der oppositionellen Volkskongress-Partei seien festgenommen worden. In Khartum wurde bereits im Vorfeld die Polizei- und Militärpräsenz verschärft, noch Anfang dieser Woche wurden verschiedene Stadtteile zeitweise abgeriegelt.

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