Politik : Sudetendeutscher Tag: Johann Böhm: Der neue Sprecher der Landsmannschaft tritt leiser auf

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Er will umdenken und in den eigenen Reihen anfangen. Der neue Sprecher der Sudetendeutschen Landsmannschaft, Johann Böhm (62), der beim Pfingsttreffen in Nürnberg die Nachfolge Franz Neubauers (70) antrat, ist sich des Hauptproblems wohl bewusst. Die Vertriebenen sollten "angesichts der mangelnden Akzeptanz für unsere Anliegen in Deutschland" über ihre Ziele nachdenken und diese klar formulieren. Damit signalisiert er eine Abkehr von den polarisierenden Schlagworten wie "Rückkehrrecht" und "Wiedergutmachung". Es sei ein "Gebot der politischen Klugheit", konkret und realistisch zu sein. Was er damit meinte, erläuterte er am Beispiel Ungarns. Das "Recht auf Heimat" könne keine "territoriale Autonomie" mehr bedeuten. Ein "Volksgruppenrecht mit Elementen einer Personalautonomie, wie es sich in Ungarn so gut bewährt hat", wäre sowohl der noch vorhandenen deutschen Minderheit in Tschechien als auch den etwaigen künftigen Rückkehrern dienlich. Für die Lösung der Eigentumsfragen führte er den Vorschlag des Mitglieds der Prager Akademie der Wissenschaften, Vladimir Balas, an. Demnach solle nur das noch im Staatsbesitz befindliche sudetendeutsche Eigentum zurückgegeben werden, was den Grenzgebieten Tschechiens "mit Sicherheit ökonomisch und kulturell zugute kommen würde". Das heutige Privateigentum in Tschechien solle nicht in Frage gestellt werden.

Der Bauernsohn aus dem Egerland, der mit seiner Familie als achtjähriger vertrieben wurde, studierte in Bayern Jura und trat in den Staatsdienst ein. Der CSU-Politiker ist seit 1994 Präsident des bayerischen Landtags. Böhm spricht eher leise, wirkt freundlich entspannt und damit gewinnend. Doch inhaltlich lässt er bislang kaum Unterschiede zu seinem "unbeugsamen" Vorgänger Neubauer erkennen. Er selbst würde den Familienbesitz im Egerland nicht zurück verlangen. "Aber ich kann nicht meinen ehemaligen Nachbarn verpflichten, genauso zu denken", sagt er mit einem Hieb gegen die Bundesregierung. Den Verzicht müsse man jedem individuell überlassen.

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