Südafrika : Das Kap der begrenzten Hoffnung

Südafrikas Wirtschaft erstickt in Bürokratie. Das Wachstum ist zu klein, um die Armut zu lindern.

von
Jacob Zuma
Jacob ZumaFoto: AFP

Das einzige Industrieland Afrikas verliert den Anschluss. In seiner Rede zur Lage der Nation verkündete Präsident Jacob Zuma zwar gerade erst ein 30 Milliarden Euro teures Infrastrukturprogramm. Die Probleme des Landes, die Korruption, das enorme Ausmaß der Bürokratie und die Tatsache, dass die Hautfarbe am Kap heute mehr zählt als die Kompetenz des Einzelnen, erwähnte er hingegen nicht.

In gewisser Weise war die Rede symptomatisch für die politische Strategie Zumas: Er will niemanden vor den Kopf stoßen. Dabei bräuchte Südafrika einen Staatschef, der dem von den ständigen Machtkämpfen im regierenden ANC zerrissenen Land eine klarere Richtung vorgibt. Die Wirtschaft wächst inzwischen weniger als drei Prozent im Jahr, weit langsamer als in anderen Schwellenländern wie etwa Chile, Vietnam oder die Türkei. Dabei bräuchte Südafrika laut Weltbank ein Wachstum von mindestens sieben Prozent, um die tiefe Armut im Land zu verringern. Gut Zweidrittel der 50 Millionen Menschen leben noch immer unter der Armutsgrenze.

Die Arbeitslosigkeit liegt offiziell bei 24 Prozent, mit der versteckten dürfte sie aber mindestens 40 Prozent erreichen. Besserung ist trotz der nun angekündigten Bauvorhaben kaum in Sicht: Auf Druck der militanten Gewerkschaften stemmt sich der ANC vehement gegen jedwedes Aufbrechen des überregulierten Arbeitsmarktes. Statt der Wirtschaft mehr Freiräume zu geben, mischt sich die Regierung von Jahr zu Jahr stärker ein und versucht alles, um staatliche Konzerne wie etwa den Strommonopolisten Eskom oder den Transportriesen Transnet unter Kontrolle zu behalten. Die Folge des Dirigismus: Der bereits aufgeblähte Staat schuf im vergangenen Jahr 80 Prozent aller neuen Arbeitsplätze. Mit den steigenden Regierungsausgaben geht jedoch auch eine wachsende Staatsverschuldung einher.

Zwar ist Südafrika noch weit von griechischen Zuständen entfernt, doch hat sich der Anteil der Schulden zum Sozialprodukt in weniger als fünf Jahren auf etwa 40 Prozent nahezu verdoppelt. Angesichts der immer höheren Sozialausgaben und der vor dem Urnengang 2014 zu erwartenden Wahlgeschenke dürfte die Rate weiter in Richtung der kritischen 60 Prozent steigen. Dazu tragen auch die hohen Lohnsteigerungen für Staatsbedienstete bei, die mit zehn Prozent doppelt so stark zulegten als die Inflationsrate von rund fünf Prozent. Mittlerweile bezahlt die öffentliche Hand Gehälter, die im Durchschnitt um 45 Prozent über dem Niveau im Privatsektor liegen.

Statt Anreize für Investitionen zu schaffen, wird der Privatsektor vom Staat mit immer neuen Arbeitsvorschriften und Abgaben drangsaliert. Viele erfolgreiche Unternehmen wie die privaten Krankenhausbetreiber Netcare und Mediclinic expandieren im Nahen Osten und in Europa, weil sie sich daheim unerwünscht fühlen. Während andere Schwellenländer Exporterfolge feiern, verliert Südafrika im internationalen Vergleich an Boden. Sogar der lebenswichtige Bergbau schrumpfte, während 20 andere Rohstoffnationen weiter wachsen.

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