Südafrika : Generalstreik legt Wirtschaft lahm

Aus Protest gegen drastisch gestiegene Lebenshaltungskosten haben sich in Südafrika zehntausende Menschen an einem Generalstreik beteiligt. Fabriken und Bergwerke, Schulen und Geschäfte blieben geschlossen - das gesamte öffentliche Leben lag weitgehend brach.

Proteste in Südafrika
Südafrika: Zehntausende protestieren gegen zu hohe Lebenshaltungskosten. -Foto: dpa

PretoriaEin Generalstreik hat am Mittwoch die Wirtschaft Südafrikas größtenteils lahm gelegt. Tausende Menschen gingen auf die Straße, um gegen den Preisanstieg bei Benzin, Strom und Nahrungsmitteln zu protestieren. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligten sich sogar fast zwei Millionen Menschen an den landesweiten Protesten. In der Hauptstadt Pretoria zogen die Demonstranten zum Amtssitz von Präsident Thabo Mbeki. "Öffentliche Verkehrsmittel stehen still, die Goldminen mussten schließen, und die Beteiligung in der Textilindustrie ist gut", sagte der Sprecher des einflussreichen Gewerkschaftsbundes Cosatu, Patrick Craven.

Die Verwaltungskammer der Goldminen bestätigte, dass die Branche vom Streik "betroffen" sei. Der größte Goldminenbetreiber gab an, dass nur zwischen sieben und 40 Prozent der Belegschaft zur Arbeit erschienen seien. Auch der Autobauer Volkswagen stoppte die Produktion in seinem Werk in Port Elizabeth, wo täglich 350 Autos vom Band laufen. In der Provinz Western Cape blockierten Streikende mit Barrikaden den Verkehr.

In der Hauptstadt übergaben die Demonstranten eine Liste mit Forderungen an das Energieministerium. Die hohen Strompreise dürften nicht nur von den Armen getragen werden, hieß es. Die Forderungen seien nicht populistisch, sondern "realistisch und überwindbar", sagte ein Ministeriumssprecher.

Steigenden Inflationsrate und wachsende Armut

21 Gewerkschaften hatten ihre Mitglieder aufgerufen, gegen die angekündigte Anhebung der Strompreise um mehr als ein Viertel zu protestieren. Der Generalstreik ist der Höhepunkt einer ganzen Reihe kleinerer Protestaktionen, die seit Juni in einzelnen Provinzen stattfanden. Die Preise für Nahrungsmittel stiegen nach Angaben des Marktforschungsinstituts der Universität von Südafrika zwischen Mai 2007 und Mai dieses Jahres um 16,8 Prozent, die Zinssätze um ein Fünftel und der Kraftstoffpreis um gut ein Drittel. Südafrika ist die stärkste Wirtschaftsnation des Kontinents. 43 Prozent der Bevölkerung leben jedoch unter der Armutsgrenze, die Arbeitslosenquote liegt bei mehr als 40 Prozent.

Das Land kämpft zudem mit einer steigenden Inflationsrate, die im Juni bei 11,6 Prozent lag. Die mit steigenden Zinsen einhergehende Teuerungsrate trifft nicht nur viele der Armen am Kap, sondern auch die sich herausbildende schwarze Mittelklasse empfindlich. (sgo/dpa/AFP)

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