Südafrika : Zuma stellt neue Regierung vor

Der 67-jährige neue Präsident Südafrikas Jacob Zuma ernennt einen Tag nach seiner Amtseinführung den bisherigen und populären Finanzminister Trevor Manuel zum Chef seines einflussreichen Planungsstabes.

JohannesburgDiese Ernennung kam überraschend, da Manuel 13 Jahre lang die Finanzen des Landes geregelt hatte. Er soll nun als Leiter einer neuen Sonderkommission helfen, gegen die Folgen der globalen Wirtschaftskrise kämpfen. Unternehmer und ausländische Investoren hatten die Entscheidung über Manuels politische Zukunft mit Spannung erwartet -  er war wegen seiner umsichtigen Haushaltspolitik sehr geschätzt.

Manuels Nachfolger im Finanzressort wird Pravin Gordhan. Außenminister wird der bisher relativ unbekannte Maite Nkoana-Mashabane, ehemaliger Wohnungsbauminister in der Provinz Limpopo. Er tritt in diesem Ressort an die Stelle von Zumas Ex-Frau Nkosazana Dlamini-Zumas, die jetzt die Spitze des Innenministeriums übernimmt.

In seiner Antrittsrede zeichnete Zuma ein nüchternes Bild der wirtschaftlichen Lage Südafrikas, das erstmals seit 17 Jahren in die Rezession gerutscht ist. Das Land werde von den Auswirkungen des weltweiten Konjunkturabschwungs nicht verschont bleiben, sagte er. Bei Zumas Amtseinführung war auch der frühere Präsident und Friedensnobelpreisträger Nelson Mandela anwesend, der als Symbolfigur gegen die Apartheid hohes Ansehen im Land genießt und erst kurz vor dem Wahltag öffentlich seine Unterstützung Zumas erklärt hatte.

Aus den Wahlen am 22. April war Zuma an der Spitze des ANC als klarer Sieger hervorgegangen. Zuvor hatten ihn mehrere Ermittlungsverfahren wegen Korruptions- und Vergewaltigungsvorwürfen politisch nahezu ruiniert. Als Präsident muss er nun einen Ausgleich finden zwischen Gewerkschaften und kommunistischen Verbündeten, die ihm zur Macht verholfen haben und andererseits ausländischen Investoren, die vor einem Linksruck in der Wirtschaftspolitik warnen.

Zuma steht als Präsident vor einer Reihe von Herausforderungen: Im vierten Quartal 2008 sank die Wirtschaftsleistung des einst prosperierenden Landes um 1,8 Prozent. Die Inflation lag im Februar bei 8,6 Prozent, die Arbeitslosenquote Ende 2008 bei 21,9 Prozent. Auch Korruption ist in Südafrika weit verbreitet. Die Zahl der Gewaltverbrechen gehört zu den höchsten der Welt. So gab es zwischen 2007 und 2008 nach Polizeiangaben mehr als 18.000 Morde und 36.000 Vergewaltigungen. Ein weiteres Problem ist die Immunschwächekrankheit Aids. Von den 47 Millionen Südafrikanern sind rund 5,5 Millionen Menschen mit HIV infiziert, jedes Jahr kommt es zu 500.000 Neuinfektionen. (aku/dpa/Reuters)

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