Südchinesisches Meer : Washington verärgert über Zwischenfall mit chinesischen Schiffen

Am Sonntag haben mehrere chinesische Boote einen US-Marineaufklärer im Südchinesischen Meer bedrängt und zu einem Notmanöver gezwungen. Der Vorfall gilt als "Test" für den neuen US-Präsidenten Obama.

Eine Konfrontation chinesischer Boote mit einem Schiff der US-Marine im Südchinesischen Meer hat in Washington für Verärgerung gesorgt. Das Pentagon sprach von einem "rücksichtslosen, gefährlichen Manöver", nachdem fünf chinesische Boote, darunter auch ein Marineaufklärer, die "USNS Impeccable" am Sonntag bedrängt und zum Verlassen der Gewässer aufgefordert hatten. Die US-Botschaft in Peking legte Protest ein.

Die "USNS Impeccable" war laut Pentagon in internationalen Gewässern rund 120 Kilometer vor der Insel Hainan unterwegs, als dem Aufklärer chinesische Schiffe bis auf 15 Meter nahe gekommen seien. Das US-Schiff setzte sich laut Pentagon mit einem Feuerwehrschlauch zur Wehr, worauf hin die Besatzung eines der chinesischen Boote sich bis auf die Unterwäsche ausgezogen habe. Nachdem der Kommandant des unbewaffneten US-Schiffes, das laut Pentagon "unter Wasser akustische Daten" sammelte, die Chinesen aufforderte, den Weg freizumachen, stellten sich ihm die Boote in den Weg und zwangen es zu einem Notmanöver.

Unter den chinesischen Schiffen waren nach jüngsten Angaben des Pentagons ein Marine-Aufklärungsboot, ein Patrouillen-Schiff der Fischereibehörde und der staatlichen ozeanographischen Kontrolle sowie zwei kleine Trawler unter chinesischer Flagge.

"Test" für Obama

In den vergangenen Wochen hatten nach Angaben des Pentagons chinesische Boote und Flugzeuge wiederholt US-Schiffe in internationalen Gewässern bedrängt. "Die unprofessionellen Manöver der chinesischen Schiffe verstießen gegen internationales Gesetz, wonach mit angemessener Rücksicht auf die Rechte und die Sicherheit von anderen rechtmäßigen Nutzern des Ozeans vorzugehen ist", teilte das Pentagon mit.

Der Vorsitzende der US-chinesischen Arbeitsgruppe des US-Repräsentantenhauses, Mark Kirk, kündigte scharfen Protest beim chinesischen Präsidenten Hu Jintao an und wertete den Zwischenfall als einen "Test" für den neuen US-Präsidenten Barack Obama. "Es ist überraschend, dass die Chinesen ein US-Schiff nur zweieinhalb Wochen vor dem Gipfeltreffen von Obama mit Hu bedrängen", sagte er. Peking hätte den vorherigen Präsidenten George W. Bush zwei Monate nach dessen Amtsantritt im Januar 2001 auf gleiche Art herausgefordert. "Verbündete und Feinde" der USA würden Obamas Reaktion genau beobachten, sagte Kirk. (jvo/AFP)

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