Politik : Südkorea fürchtet neue Attacken des Nordens

Seoul/Peking - Südkorea stellt sich auf weitere militärische Attacken aus dem kommunistischen Nordkorea ein. „Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass der Norden erneut angreifen wird“, sagte Geheimdienstchef Won Sei Hoon am Mittwoch bei einer Anhörung in einem Parlamentsausschuss. Damit wolle die Führung in Pjöngjang von ihren innenpolitischen Problemen ablenken, zitierte die Agentur Yonhap den Geheimdienstchef.

In Nordkorea sei die wirtschaftliche Lage schlecht und es gebe interne Kritik an der Nachfolgeregelung mit Machthaber Kim Jong Il, sagte Won. Daher versuche das Regime, von seinen Problemen abzulenken. Der Geheimdienst habe aber nicht damit gerechnet, dass bei einem Angriff aus Nordkorea auch Zivilisten sterben könnten, gab Won zu.

Südkorea kündigte weitere Militärübungen an, kurz nachdem das gemeinsame Seemanöver mit den USA zu Ende gegangen war. Das nächste Manöver soll bereits von Montag an unter anderem in Gewässern nahe der Grenze zu Nordkorea stattfinden, wie Yonhap weiter berichtete. Derartige Artillerieübungen seien nichts Ungewöhnliches, hieß es. Sie sollten aber auch die Verteidigungsbereitschaft gegen weitere Provokationen aus dem Norden stärken.

Angesichts der Spannungen rief China zur Zurückhaltung auf. Der letzte Verbündete des Regimes in Pjöngjang erklärte aber, dass China sich in dem Konflikt nicht auf eine Seite schlagen werde. Außenminister Yang Jiechi erklärte, die dringlichste Aufgabe sei derzeit, eine Eskalation zu vermeiden. China werde als „verantwortungsvolle Großmacht“ handeln, keine Seite bevorzugen und nicht „Öl ins Feuer gießen“, sagte Yang in Peking. Dort war eine Delegation aus Nordkorea zu Besuch beim Ständigen Komitee des Nationalen Volkskongresses.

Seit dem Gefecht zwischen Nord- und Südkorea habe China eine Reihe von Versuchen unternommen, eine Eskalation zu vermeiden, sagte Yang. China entscheide über seine Position von Fall zu Fall und werde nicht eine Seite schützen. Die Volksrepublik hat angeregt, die Sechs-Parteien-Gespräche wieder aufzunehmen, ist aber auf wenig Resonanz gestoßen. Die Gespräche zwischen Nord- und Südkorea, den USA, Japan, Russland und China liegen seit rund zwei Jahren auf Eis.rtr

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