Südkorea : Schwere Ausschreitungen bei Protesten in Seoul

Mehr als 100 Festnahmen, gewaltbereite Demonstranten und ein Selbstmordversuch: die Proteste der Landwirte in Seoul gegen die Liberalisierung des Handels mit den USA sind eskaliert.

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Wenn Protest in Gewalt umschlägt: Demonstraten liefern sich Straßenkämpfe mit der Polizei. -Foto: dpa

SeoulBei Massenprotesten südkoreanischer Landwirte und Arbeiter gegen ein Freihandelsabkommen mit den USA ist es in der Hauptstadt Seoul zu schweren Ausschreitungen gekommen. Zahlreiche Menschen wurden nach Fernsehberichten verletzt, als sich Demonstranten mit Gewalt einen Weg durch eine Polizeisperre bahnen wollten, um zu einer Kundgebung auf dem Rathausplatz zu gelangen. Die Polizei setze Wasserwerfer ein. Die Demonstranten warfen Steine. Über 100 Menschen wurden festgenommen.

Ein Landwirt aus der Provinz Süd-Gyongsang habe mitten auf einer Schnellstraße Richtung Seoul versucht, sich aus Protest anzuzünden, berichtete die Zeitung "The Korea Times". Die Polizei habe ihn und andere Landwirte an der Weiterfahrt nach Seoul hindern wollen.

Nach Angaben der Veranstalter beteiligten sich rund 50.000 Menschen an der Großkundgebung in der Hauptstadt, zu der der Gewerkschaftsverband KTCU und andere Gruppen aufgerufen hatten. Die Polizei schätzte die Zahl auf etwa 20.000. Die Demonstranten forderten, das Abkommen mit den USA über eine Liberalisierung des Handels zurückzunehmen. In Südkorea befürchten insbesondere Landwirte und ein großer Teil der Arbeiter, dass eine weitere Öffnung des heimischen Markts und die Einfuhr billigerer Produkte zum Verlust von Arbeitsplätzen führt. Zudem forderten sie bessere Arbeitsbedingungen für Arbeitnehmer mit Teilzeitverträgen.

Seoul und Washington hatten Ende Juni das Freihandelsabkommen unterzeichnet. Es muss jedoch noch in beiden Ländern ratifiziert werden. (mit dpa)

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